Achtung Achtung!

Die ESH hat nun eine neue eigene Plattform (abrufbar im Menü unter "Enthinderung"). Auf absehbare Zeit wird jene Plattform aktueller gestaltet sein als diese hier.

Positionen der ESH zu Schulbegleitung

Seit Jahren favorisiert die ESH mit ihrer AG Schule die Onlinebeschulung in Regelklassen. Dabei wird dem autistischen Sch├╝ler bei korrekter Umsetzung die M├Âglichkeit gegeben ohne Entscheidungsdruck von au├čen online am Unterricht teilzunehmen. Die Entscheidung kann vom Sch├╝ler selbst jederzeit ge├Ąndert werden, er kann also auch ins Schulgeb├Ąude gehen, wenn er es zu bestimmten Zeiten will, ├╝ber die er niemandem Rechenschaft ablegen mu├č.

Schulbegleitung ist ein ├Ąlteres Modell, das aus einer Zeit stammt, in welcher man sich noch davor scheute Schule an sich barrierefrei zu gestalten. Bei diesem Modell wird dabei eine Begleitperson eingesetzt um nicht an sich die Barrieren im ├╝blichen Schulalltag beseitigen zu m├╝ssen. Internationale Standards weisen jedoch klar den Weg zu L├Âsungen die m├Âglichst weitgehend ohne Assistenz auskommen, da Assistenz auch immer in einem Zustand der Abh├Ąngigkeit gefangenh├Ąlt, der gerade bei Autisten im gro├čen Mangel an geeigneten Assistenzpersonen besonderes Gewicht erh├Ąlt.

Aber auch im Rahmen von Onlinebeschulung kann solche Assistenz eingesetzt werden, sofern sich der autistische Sch├╝ler daf├╝r entscheidet z.B. einen Tag den Unterricht nicht per Webcam, sondern im jeweiligen Klassenraum selbst zu verfolgen.

Diese Frage nach dem Einsatz einer Schulbegleitung ist nicht einfach pauschal mit ja oder nein zu beantworten, sondern m├╝sste individuell entschieden werden am tats├Ąchlichen Bedarf und im Wissen um die heutige Realit├Ąt der Umsetzung solcher Schulbegleitung vor Ort.

Schulbegleitung erfolgt zumeist nur f├╝r einige Wochenstunden, nicht durchweg ├╝ber den gesamten Stundenplan. Schulbegleiter werden von den Schulen in der Regel nur akzeptiert, wenn die Schule weisungsbefugt ist. Eltern haben in der Regel keine formale Weisungsbefugnis, geschweige denn der autistische Sch├╝ler. Genau dies w├Ąre jedoch ein wichtiger Faktor um tats├Ąchlich von "Assistenz" sprechen zu k├Ânnen. Barrieren finden sich in der Regel im ├╝blichen Schulalltag, durch bevorzugte Weisungsbefugnis von Schule und Lehrpersonal wird "der Bock zum G├Ąrtner gemacht". Uns sind F├Ąlle bekannt, in denen engagierte Schulbegleiter von Seiten der Schule Hausverbot erhalten haben, da sie ernsthaft die Interessen des autistischen Sch├╝lers vertreten wollten.

Aufgrund dieser Konstellation ist Schulbegleitung in der bisherigen Praxis meist eher eine zus├Ątzliche Aufsichtsperson der Schule, die die Schule vor dem Autisten und auch in der Sache erforderlicher Auseinandersetzung mit Autismus an sich sch├╝tzen soll, nicht jedoch den autistischen Sch├╝ler vor Barrieren im Schulalltag.

H├Ąufig werden Schulbegleiter aus folgenden Gr├╝nden bewilligt:

- missverst├Ąndliche Kommunikationsweise der Lehrer (= Lehrerproblem)
- Mobbing (= Schulproblem hinsichtlich Nulltoleranz bez├╝glich Mobbing)
- der Sch├╝ler wird als st├Ârend empfunden (= Lehrer-/Schulproblem)
- Die Eltern m├Âchten, dass auch w├Ąhrend der Schulzeit ABA oder eine ├Ąhnliche sch├Ądliche Therapiemethode stattfindet, bzw. bef├╝rchten, der Autist w├╝rde ohne ABA in der Schule nichts/das Falsche lernen

Ein Schulbegleiter sch├╝tzt nicht vor Mobbing (auch nicht durch vom Lehrpersonal ausgehendes Mobbing gegen einzelne Sch├╝ler) und das zudem erst recht nicht, wenn er nur wenige Stunden ├╝berhaupt anwesend ist.

Bei einem St├Ârempfinden wird in der Regel nicht auf die Bed├╝rfnisse des Sch├╝lers ad├Ąquat eingegangen, sodass ein Schulbegleiter die sich bis dahin entwickelte Au├čenseiter- und Unbeliebtheitsrolle nur noch verst├Ąrkt. Ziel ist in der Regel ein "Abstellen" des "St├Ârverhaltens" und nicht ein abstellen der Ursachen.

Oft ist es auch so, dass der Schulbegleiter durch die Lehrperson als zus├Ątzliche "Lehrperson" instrumentalisiert wird, so dass der Schulbegleiter dann auch gar nicht mehr Zeit hat, den Autisten 1:1 zu betreuen, weil er noch auf ganz viel anderes achten muss.

Im Rahmen inklusiver Beschulung m├╝ssen Lehrer hinsichtlich allgemein effektiverer Kommunikationsformen weitergebildet werden, das gilt auch f├╝r alternative Gestaltung der Unterrichtsinhalte entsprechend der unterschiedlichen Lerntypen der Sch├╝ler (visuell, akustisch, k├Ârperlich/durch Bewegung etc.)

Sch├╝ler wollen in der Regel keinen Begleiter und werden daher erst darauf vorbereitet und bearbeitet, diesen als etwas f├╝r sie positives anzunehmen und zu "wollen". - dabei sollte eigentlich der Sch├╝lerwille respektiert werden.

Problematisch ist auch, dass insbesondere Schulbegleiter als "Ersatztherapeuten" durch manche Eltern und/oder Verb├Ąnde instruiert werden, um bei Autisten auch w├Ąhrend der Unterrichtszeit ABA durchzuf├╝hren. Das ist diskriminierend. Schulbegleiter sind keine Therapeuten und sollen eigentlich Barrieren f├╝r die betreffenden Sch├╝ler mindern und nicht noch weitere schaffen, z.B. indem der Schulbegleiter dazu angehalten ist daf├╝r zu sorgen, dass der Autist m├╝ndlich mitarbeitet und auch ansonsten nichtautistisches Verhalten simuliert.

Die Frage ist auch: Warum Schulbegleiter?

All die Jahrg├Ąnge ├Ąlterer Autisten kamen ohne Schulbegleiter durch die Schulzeit. Heutzutage lehnen Schulen die Aufnahme autistischer Sch├╝ler jedoch im zunehmendem Ma├če ab, wenn nicht vorher eine Schulbegleitung/ein Integrationshelfer nachgewiesen bewilligt wurde.

Gleichzeitig wird jedoch bei Sch├╝lern, die eine F├Ârderschule besuchen, eine Schulbegleitung abgelehnt, weil das dortige Personal kompetent genug sei, wobei dort tats├Ąchlich jedoch oftmals haarstr├Ąubende Situationen bestehen, die angeblich "p├Ądagogisch", aber in keinster Weise reflektiert sind in Bezug auf Autisten und dortige Lehrer trotz vorgeblicher jahrelanger Erfahrung mit Autisten im Alltag durch Unwissenheit im Umgang mit Autisten gl├Ąnzen.

M├Âglicher Nachteil durch Schulbegleiter bei mehreren so "gef├Ârderten" Sch├╝lern pro Klasse w├Ąre Unruhe und dadurch bedingte geringere Konzentrationsf├Ąhigkeiten, wenn bei ruhiger Arbeit st├Ąndig verschiedene Gespr├Ąche zu unterschiedlichen Lehrinhalten erfolgen.

Manche Kinder wollen nicht aus dem Unterricht geholt werden, empfinden es als Ausgrenzung. Rausschicken gilt im schulischen Zusammenhang sonst als Strafe. Auch herausgeholt werden kann ein belastender Kontrollverlust sein, der die Beziehung zum Unterrichtsgeschehen nachhaltig st├Âren kann, indem st├Ąndig bef├╝rchtet wird die Fremdbestimmung k├Ânne wieder eintreten.

Die Vorstellung, zwei feste Lehrer pro Klasse plus eine feste Assistenz pro Klasse, w├Ąre eventuell eine M├Âglichkeit, nur w├╝rden auch dabei Autisten wahrscheinlich benachteiligt sein, da in der Regel Sch├╝ler mit k├Ârperlichen Beeintr├Ąchtigungen einen "moralischen Vorrang" gew├Ąhrt bek├Ąmen.

In der Schweiz erfolgen Hilfen f├╝r Sch├╝ler oder auch in der schulischen Berufsausbildung ├╝ber Coaches, die nachmittags den Schultag rekapitulieren und vom Sch├╝ler berichtete oder durch Dritte umschriebene Problemsituationen durchgehen und L├Âsungsstrategien auf Augenh├Âhe mit dem Sch├╝ler erarbeiten. Die Zusammenarbeit mit Eltern ist dabei wohl stark ausgepr├Ągt. Finanziert ├╝ber die IV, was in Deutschland sinngem├Ą├č direkt ├╝ber die Eingliederungshilfe oder mittels Pers├Ânlichem Budget finanziert w├╝rde.

Problem ist, dass sich manche Schulen gegen Schulbegleiter sperren wie auch Eltern anderer Kinder, die darin eine ├ťbervorteilung vermuten und offenbar die Bedeutung nicht verstanden haben.

In der Regel werden Schulbegleiter beispielsweise auch f├╝r Pausensituationen eingesetzt, um nebenher ein "soziales Kompetenztraining" auf dem Pausenhof am autistischen Sch├╝ler zu absolvieren. Bei diesem wie auch bei den anderen beispielhaften Einsatzgebieten f├╝r Schulbegleiter, wie sie in der Regel vorkommen - handelt es sich im Grunde um eine diskriminierende, dahinter stehende Sichtweise, die eine vermeintlich ideale Norm als zu erreichenden Ma├čstab ansieht:

"Soziale Teilhabe und Normalisierung m├╝ssen als grundlegende Prinzipien verstanden werden." Aus dem Buch "Inklusion f├╝r Menschen mit Autismus" des Bundesverbandes autismus Deutschland e.V., Seite 365, Kapitel "Schule in Bewegung - Die Voraussetzungen f├╝r erfolgreiches gemeinsames Lernen" im Abschnitt "Aufgaben einer inklusiven p├Ądagogischen F├Ârderung".

Das Ziel von Inklusion - und somit auch des Einsatzes von Schulbegleitern - ist nicht die "Normalisierung", also Umerziehung von Autisten, sondern die Akzeptanz des Autistisch-Seins und der Abbau von Barrieren, die in der Umwelt des jeweiligen Autisten bestehen und nicht dem veralteten medizinischen Behinderungebegriff beim Autisten selbst zu verorten w├Ąren.

Sinnvoller w├Ąren wahrscheinlich Coaches f├╝r Lehrer - mit einem breitgef├Ącherten Wissen um Barrieren, verschiedene Diagnosebilder und diesbez├╝gliche Notwendigkeiten an Barrierefreiheit. Hierbei wird vorausgesetzt, da├č diese Coaches unter Supervision geeigneter Organisationen (Disabled People Organisations) von Autisten stehen und nicht nur wie ├╝blich von Elternverb├Ąnden instruiert werden, die entgegen eigener Darstellungen nicht die Interessen von Autisten vertreten.

Weitere relevante Stichpunkte:

Ein selbstausgew├Ąhlter Schulbegleiter, der in seiner Struktur dem Kind ├Ąhnlich ist, wurde von Kind sehr gut angenommen, da sich in der anderen Art nicht mehr als "allein auf der Welt" angenommen wurde. Noch besser: Lehrer oder Schulleiter sind von ├Ąhnlicher Struktur.

Reflektion des Schulbegleiters mit der ESH wirkt sich positiv auf Schulbegleiter aus, da dieser sich nicht "allein gelassen" f├╝hlt.

Schulbegleiter im Arbeitgebermodell bei Eltern positionieren Eltern g├╝nstiger zur Schule, da die Schulen ein gr├Â├čeres Interesse an der Zusammenarbeit mit den Eltern haben: (Eltern "warm halten", damit die "zweite Kraft" in der Klasse gew├Ąhrleistet ist bei zunehmender Regelbeschulung behinderter Kinder und unzul├Ąnglicher Zuweisung zus├Ątzlicher Lehrkr├Ąfte.)

Schulbegleiter von gro├čen Hilfetr├Ągern sehen sich in der Informationspflicht gegen├╝ber dem Auftraggebers und dem Jugendamt und beziehen weitaus weniger die Eltern in die schulischen Vorg├Ąnge ein.

Lt. Studie 65 % der Schulbegleiter von Beruf "Erzieher". In Erzieherausbildung wird Autismus nur kurz angerissen, aber Erzieher gelten als "Fachleute" f├╝r Autisten und werden von Lehrern als p├Ądagogische Unterst├╝tzung eingeordnet, was das Vertrauensverh├Ąltnis des Kindes stark beeinflussen kann, da es sich "verraten und verkauft" f├╝hlen kann .

Wenn Erzieher eine Stelle mit besserer Bezahlung gefunden haben, Wechsel der Besch├Ąftigung. Statistisch h├Âchste Bleibezeit sind 1 1/2 Jahre, p├Ądagogisch sehr bedenklich und f├╝r Autisten nicht geeignete Begleitungsdauer.

Erzieher sollte Lebenserfahrung haben, weil von Lehrern und Schulleitern weniger steuerbar und erfahren im Umgang mit Menschen und Vermeiden von Fronten, aber dennoch klare Stellung beziehend f├╝r das zu begleitende Kind.

Pflegeeltern sollten sich gegen├╝ber Jugend├Ąmtern im Sinne des Kindeswohls besser durchsetzen k├Ânnen und wegen der N├Ąhe zum Kind die Auswahl des Schulbegleiters treffen k├Ânnen.

Jugend├Ąmter sollten in der Macht beschnitten werden, einen geeigneten Schulbegleiter aus dem vorhandenen Angebot gro├čer Hilfetr├Ąger selbst auszuw├Ąhlen oder diese Dienste bei gro├čen Hilfetr├Ąger anzusiedeln.

Schulen sollten keine Mitwirkungsrechte bei der Einstellung von Schulbegleitern haben, da eine hohe Neigung besteht, sie als p├Ądagogisches Personal einzuverleiben und sie durch Knebelvertr├Ąge in Schulverpflichtungen zu nehmen, die sich auch gegen Elternrechte richten.

Schulbegleiter, die unhaltbare Zust├Ąnde an Schulen anzeigen, sollten unmittelbar beim zust├Ąndigen Schulamt bei einem Ombutsmann Geh├Âr finden, da viele Schulr├Ąte die gute Beziehung zu der jeweiligen Schule nicht riskieren wollen oder die einmal gemachten Beschulungspl├Ąne vor Ort nicht aufheben wollen, sie also vor das Kindeswohl stellen.

Jugend├Ąmter sollten die Mitwirkung von Interessengemeinschaften von Betreffenden nicht verweigern d├╝rfen, da die Inkompetenz vieler Schulbegleiter dazu f├╝hrt, dass viele autistische Kinder keinen Anwalt ├Ąhnlicher Wesensbeschaffenheit vor Ort haben und deshalb nicht verstanden werden.

Wenn ein Schulbegleiter wegen mangelnder Autismuskompetenz f├╝r das Kind nicht geeignet gehalten wird, dann sollte er keine weitere Schulbegleitung eines Autisten ├╝bernehmen d├╝rfen, ohne sich vorher bei Autisten entsprechend ausbilden zu lassen.

Zu Schulkonferrenzen mit und ohne Beteiligung von Schulamt und Aufsichtsbeh├Ârden muss der Schulbegleiter eingeladen werden.