Achtung Achtung!

Die ESH hat nun eine neue eigene Plattform (abrufbar im Menü unter "Enthinderung"). Auf absehbare Zeit wird jene Plattform aktueller gestaltet sein als diese hier.

Allgemeine Ratschl├Ąge

Ein solches Feststellungsverfahren kann man einleiten, indem man dem zust├Ąndigen Amt mitteilt, da├č und weswegen man vermutet behindert zu sein. Dazu braucht man keine Diagnose, es ist aber, wenn man nicht diagnostiziert ist, unbedingt anzuraten zuerst zu einem Arzt zu gehen, der sich mit Autismus auskennt. Vorher sollte man sich allerdings ├╝berlegen, welche Versicherungen einen nach einer Erstdiagnose eventuell nicht mehr oder nur mit Ausschlu├čklauseln oder hohen Aufschl├Ągen aufnehmen w├╝rden. Beispiele f├╝r solche Versicherungen k├Ânnen private Krankenversicherungen und Berufsunf├Ąhigkeitsversicherungen sein. Erfolgt durch ihn eine Diagnose, sollte man mit ihm das Vorhaben eines Antrags auf ein Feststellungsverfahren durchsprechen, besonders auch in Hinblick darauf welche Merkzeichen er bef├╝rworten w├╝rde. Tut man das alles nicht, weist das Amt einen Gutachter zu, der sich in der Praxis meistens nicht mit Autismus auskennt und sich au├čerdem nur wenig Zeit nimmt - f├╝r Autisten sind das wohl ganz schlechte Voraussetzungen.

Achtet darauf von einem Arzt (z.B. Psychiater) diagnostiziert zu werden, Diagnosen von einen Psychologen, wie es sie z.B. oft in ATZ gibt, werden oft von Ämtern nicht anerkannt.

Auch wenn man sehr einfach ein solches Verfahren einleiten kann, erspart man sich Probleme und Nachfragen, indem man sich zur Begr├╝ndung des Antrags Zeit l├Ąsst und sich Rat f├╝r eine sorgf├Ąltige Formulierung holt, die sich an Begriffe des Amtes und einschl├Ągige Urteile anlehnt. Das Amt pr├╝ft n├Ąmlich schablonenartig, Mitdenken des Sachbearbeiters sollte man nicht erhoffen und gerade bei Autismus d├╝rfte es dazu diesen auch in der Regel weitgehend an Kenntnissen mangeln. Die Zuteilung eines Merkzeichens ÔÇťBLÔÇŁ (blind) an ein autistisches Kind, wie uns in einem Fall bekannt ist, ist eher eine Kuriosit├Ąt in dieser Hinsicht. Meistens wird die fehlende Sachkenntnis sich darin niederschlagen, da├č auf ganzer Linie zu gering eingestuft wird und Merkzeichen abgelehnt werden, f├╝r die die Voraussetzungen eigentlich klar erf├╝llt sind.

Viele Versorgungs├Ąmter pflegen einen Stil, der in seiner Ruppigkeit und Kaltschn├Ąutzigkeit an die Arbeitslosenverwaltung erinnert. Das liegt vermutlich nicht unbedingt am jeweiligen Sachbearbeiter, sondern am System.

Zudem sei hiermit dringend darauf hingewiesen, da├č beim Versorgungsamt vermutlich zumindest in naher Zukunft fl├Ąchendeckend elektronische Akten angelegt werden. Jeder mag selbst genau abw├Ągen, ob unter diesen Umst├Ąnden eine Antragstellung f├╝r ihn vertretbar erscheint oder nicht. Dies kann bei derartig sensiblen Sachverhalten nur als unverantwortlich betrachtet werden! Der Staat besitzt auf absehbare Zeit leider nicht die F├Ąhigkeit solche Daten wirklich sicher zu sch├╝tzen, wie jeder wei├č der die allgemeinen Medien auch nur halbwegs aufmerksam verfolgt und dort erf├Ąhrt man nur von einem kleinen Teil des wahren Ausma├čes. Es besteht somit aktuell eine realistische Gefahr nach einer Antragstellung irgendwann die eigene Vorsorgungsamtsakte frei zug├Ąnglich im Internet vorzufinden. Entweder sind die zust├Ąndigen Stellen unheimlich naiv und somit nicht f├╝r den Umgang mit solchen Daten geeignet oder es besteht die Absicht die Zahl der Leistungsempf├Ąnger auf diesem Weg durch Abschreckung zu minimieren nach dem Motto "Nur wer es wirklich n├Âtig hat, der verzichtet freiwillig auf seine Menschenw├╝rde.".

Hierzu siehe auch diese Umfrage aus dem Jahr 2012.