Achtung Achtung!

Die ESH hat nun eine neue eigene Plattform (abrufbar im Menü unter "Enthinderung"). Auf absehbare Zeit wird jene Plattform aktueller gestaltet sein als diese hier.

Die deutsche Behindertenlobby - potemkinsche Dörfer?

Es ist grundsĂ€tzlich nicht statthaft Kommunikation zu veröffentlichen. Jedoch gibt es FĂ€lle, in denen Anspruch und Wirklichkeit von Personen oder Institutionen, die in einer gewissen Verantwortung stehen, derartig gravierende Ausmaße annimmt, daß davon eine Ausnahme zu machen ist, um diese MißstĂ€nde nicht auch noch durch falsch verstandene GutmĂŒtigkeit zu stĂŒtzen. Eine menschliche Gesellschaft lebt von der stetigen BekĂ€mpfung von
MißstĂ€nden, TrĂ€gheit, Ausgrenzung, SelbstgefĂ€lligkeit, WillkĂŒr und dergleichen mehr.

In der hier bereits geschilderten Sache wandte sich die ESH am Anfang des Monats mit folgendem Schreiben an weitere FunktionstrÀger, die aktiv im DBR mitarbeiten:

Zitat:
Seit ĂŒber einem halben Jahr (dem 3.3.08) versuchen wir nun Kontakt zur Einleitung einer angemessenen Mitarbeit im DBR, eventuell zunĂ€chst jenseits einer Vollmitgliedschaft herzustellen und dazu geeignete Ansprechpartner zu finden. Der VdK als derzeitiger Sprecherverband war leider bisher nicht willens oder in der Lage mehr als knappe nichtssagende Antworten auf klar und konkret formulierte Anfragen zu geben.
Da dieser Zustand fĂŒr uns in keiner Weise hinnehmbar ist wenden wir uns nun an Sie mit der Bitte um Vermittlung. Frau Marianne Saarholz sagte erst kĂŒrzlich:
Zitat:
"2,3 Millionen Menschen mit Behinderungen leben in Nordrhein-Westfalen. Dennoch erleben wir tagtĂ€glich, dass die Teilhabe der behinderten Menschen durch zahlreiche HĂŒrden erschwert wird"

http://www.sovd-nrw.de/3470.0.html

Das gilt offenbar nicht nur fĂŒr Nordrhein-Westfalen, den Bund oder die EU, sondern auch fĂŒr den Deutschen Behindertenrat selbst, indem Autisten barrierefreier Kontakt zum DBR praktisch verwehrt wird. Das feststellen zu mĂŒssen hat uns sehr traurig gemacht, zumal es in der Frage barrierefreier Mitwirkungsmöglichkeiten fĂŒr Autisten bei den allgemeinen Sozial- oder BehindertenverbĂ€nden generell nach unserer Erfahrung noch große Defizite und ein nahezu nicht vorhandenes Problembewußtsein gibt. Barrierefreiheit fĂŒr Autisten bedeutet stark verkĂŒrzt ausgedrĂŒckt:

  • Die Möglichkeit, vollwertig und zeitnah an möglichst allen jeweiligen Kommunikationsprozessen in fernschriftlicher Form mitwirken zu können.
  • Aufbrechen von "KaffeekrĂ€nzchen"-Seilschaften durch Reflexionsprozesse und Barrierefreiheits-Supervision, da Autisten mit ihrer andersartigen Veranlagung ĂŒber solche gemĂ€ĂŸ nichtautistischen Mehrheitsveranlagungen dominierten Gruppenprozessen von wesentlichen Dynamiken ausgeschlossen werden, die in der Praxis faktisch oft mehr Gewicht beigemessen bekommen als Sachargumente.

Aktuell werden die Interessen von Autisten im Vergleich zu anderen Gruppen durch minderheitenuntaugliche gesellschaftliche Ausgestaltung behinderter Personen noch deutlich schlechter gewahrt. Massiv elterndominierte VerbĂ€nde wie "Autismus Deutschland" vertreten faktisch nicht die Interessen von Autisten. [Anmerkung zu dieser Veröffentlichung auf der ESH-Site: Dies mag hart klingen kann aber auf Nachfrage gerne sachorientiert weiter begrĂŒndet werden. Hierzu sei auch auf diese Distanzierung der ESH von Autismus Deutschland verwiesen.]
Auf Nachfragen gehen wir gerne umfassender ein. Wir bitten darum, daß diese Anfrage nicht von FunktionstrĂ€gern des VdK beantwortet wird. Nachfragen von EinzelverbĂ€nden bezĂŒglich der besseren Einbindung von Autisten und die Herstellung allgemeiner Kontakte sind ausdrĂŒcklich erwĂŒnscht.

Dieses Schreiben ging laut unserem Ausgang an:

  • Hannelore Loskill, BAG SELBSTHILFE e. V.
  • Marianne Saarholz, Sozialverband Deutschland e. V. (SoVD)
  • Dr. Sigrid Arnade, Weibernetz e. V.
  • Hans-JĂŒrgen Leutloff, Sozialverband Deutschland e. V. (SoVD )
  • Helga JĂ€niche, Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.
  • Barbara Vieweg, Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland - ISL e. V.
  • Klaus Lachwitz, Bundesvereinigung Lebenshilfe fĂŒr Menschen mit geistiger Behinderung e. V.
  • Verena Gotzes, BSK - Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V.
  • Josef Bauer, BDH - Bundesverband fĂŒr Rehabilitation und Interessenvertretung Behinderter e. V.
  • Den BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer der BAG SELBSTHILFE e. V. (Personalwechsel im September, Vertretung im DBR unklar)
  • Den Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland (ABiD) e.V. (Vertreter im DBR ist Dr. Detlev Eckert)
  • Martina Puschke, Weibernetz e. V.

Seit dem 3.11. erhielt die ESH keine einzige Antwort, auch keine EingangsbestĂ€tigung. Daher haben wir nun vor einigen Tagen nochmal nachgefragt und sind gespannt. NatĂŒrlich kann es sein, daß einige der oben genannten Personen aus GrĂŒnden, die sie nicht zu vertreten haben das Schreiben nicht erhalten haben, jedoch ist dieses Ergebnis in seiner Summe ausgesprochen erschĂŒtternd. Angesichts der gesamten Dauer, die auch mitgeteilt wurde betrachten wir diese Nichtreaktion als nicht hinnehmbar, weswegen wir sie öffentlich bekanntgeben.
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht und ob irgendein FunktiontrĂ€ger großer BehindertenverbĂ€nde die eigenen Sonntagsreden auch ernst nimmt, wenn es darum geht im eigenen Lager aktiv zu werden.