Achtung Achtung!

Die ESH hat nun eine neue eigene Plattform (abrufbar im Menü unter "Enthinderung"). Auf absehbare Zeit wird jene Plattform aktueller gestaltet sein als diese hier.

Aktive Ausgrenzung und Diskriminierung von Autisten durch BehindertenverbÀnde am Beispiel Deutscher Behindertenrat und VdK

BehindertenverbÀnde und Gremien, die Mitsprache von durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen behinderten Personen bei politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen sicherstellen sollen, haben eine klare Aufgabenstellung.

Beispiel Deutscher Behindertenrat:

Der erklÀrte Anspruch:

Der Deutsche Behindertenrat prÀsentiert sich selbst als hervorgehobene, offensiv im Sinne von behinderten Menschen auftretende Organisation.

Zitat:
"Im Deutschen Behindertenrat (DBR ) haben sich alle wichtigen Organisationen behinderter und chronisch kranker Menschen zu einem AktionsbĂŒndnis zusammengeschlossen, das mehr als 2,5 Millionen Betroffene in Deutschland reprĂ€sentiert.

Unter anderem ist Aufgabe des Deutschen Behindertenrates, Interessen behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen verbandsĂŒbergreifend offensiv zu vertreten. Dazu gehört insbesondere auch, auf die Sicherstellung der finanziellen Rahmenbedingungen fĂŒr die Lebensgestaltung behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen sowie der Arbeit der fĂŒr sie notwendigen Dienste und der Selbsthilfestrukturen hinzuwirken."

http://www.deutscher-behindertenrat.de/ID25032

Der Behindertenrat besitzt teilweise auch ganz offiziell einen hervorgehobenen Status in einem wichtigen Gremium des deutschen Gesundheitswesens:

Zitat:
"Durch Rechtsverordnung (PatientenbeteiligungsVO) ist der Deutsche Behindertenrat (DBR), namentlich benannt und berechtigt, Vertreter in den "Gemeinsamen Bundesausschuss" zu entsenden."

http://www.deutscher-behindertenrat.de/ID26419

Weiter schmĂŒckt er sich mit etlichen hohen Verheißungen, was den eigenen Anspruch angeht:

Zitat:
"Der Deutsche Behindertenrat verfolgt das Ziel

  • die Gleichstellung mit nichtbehinderten Menschen in unserer Gesellschaft zu erreichen und eine Diskriminierung behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen abzubauen,
  • die Selbstbestimmung behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen in allen Lebensbereichen zu verwirklichen und eine Fremdbestimmung zu verringern,
  • die Selbstvertretung behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen in allen sie betreffenden Entscheidungsprozessen zu ermöglichen und eine Bevormundung abzubauen,
  • die Teilhabe behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen in allen Lebensbereichen zu realisieren und eine Ausgrenzung zu verhindern,
  • die Benachteiligung behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen in der Gesellschaft zu bekĂ€mpfen,
  • den Vorrang der Selbsthilfe gegenĂŒber der fremdorganisierten Hilfe durchzusetzen."

Zitat:
"4.1

Der Deutsche Behindertenrat soll die Bandbreite und Vielfalt der Nichtregierungsorganisationen von behinderten und chronisch kranken Menschen und ihrer Angehörigen in Deutschland widerspiegeln. Dabei sind die unterschiedlichen Formen von Behinderungen zu berĂŒcksichtigen und eine geschlechtsspezifische Ausgewogenheit ist anzustreben (ReprĂ€sentativitĂ€t).

Betroffene im Sinne der Gremien des Deutschen Behindertenrats sind behinderte und chronisch kranke Menschen sowie die Angehörigen behinderter und chronisch kranker Menschen, die sich nicht selbst vertreten können."

http://www.deutscher-behindertenrat.de/ID25199

Die unglaubliche RealitÀt:

Die ESH versucht seit lĂ€ngerer Zeit endlich barrierefreien Zugang zu medizinischen Leistungen fĂŒr Autisten durchzusetzen (siehe auch hier) und wandte sich ermuntert von der oben zitierten Selbstdarstellung erstmals am 3.3.2008 an den Deutschen Behindertenrat. Hierbei handelt es sich um ein sehr ernstes Problem, das die Gesundheit vieler Autisten gefĂ€hrdet. Der Verlauf soll in Form einer Chronologie dargestellt werden:

  • 3.3.2008 Die ESH als selbstbestimmte Vertretung von Autisten zeigt Interesse am Kontakt zum Deutschen Behindertenrat (DBR), daran ĂŒber einzelne Themen in eine Diskussion zu treten und weist darauf hin, daß sich viele Autisten vom Verband Autismus Deutschland nicht vertreten fĂŒhlen wĂŒrden, da dieser maßgeblich von Eltern gelenkt wird. (Dieser Verband ist Mitglied im DBR. NĂ€heres siehe hier)
  • 17.3. Bisher hat keine Antwort die ESH erreicht. Daher wird nachgefragt und gleich das Problem der mangelnden Barrierefreiheit fĂŒr Autisten bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen mittels einer umfassenderen Darstellung als erstes Anliegen an den DBR benannt.
  • 19.3. Der Eingang wird bestĂ€tigt. Die zustĂ€ndige Person sei am 25.3. wieder da. In der Signatur wird auf folgendes hingewiesen:

    Zitat:
    "Das Internet der Zukunft ist barrierefrei. Setzen auch Sie auf die Zukunft - wir unterstĂŒtzen und beraten Sie bei der Umsetzung barrierefreier Webseiten!"
  • 25.3. Ein FunktionĂ€r des VdK geht in einer knappen Antwort mit keinem Wort auf die geschilderte Problematik ein. (Der Verband VdK hat derzeit die PrĂ€sidentschaft des DBR inne) DafĂŒr teilt er mit, daß die Voraussetzungen fĂŒr eine Mitgliedschaft bei der ESH nicht erfĂŒllt seien. (Es wurde keine beantragt, sondern sinngemĂ€ĂŸ um eine Zusammenarbeit im Interesse der scheinbar gemeinsamen Ziele gebeten) Als Trostpflaster wird der ESH angeboten ihr in einem Newsletterabo die Pressemeldungen des DBR zuzsenden, die auch fĂŒr jedermann im Internet auf der DBR-Site einsehbar sind.
  • 25.3. Umgehend weist die ESH in einer Antwort darauf hin, daß leider nicht auf das konkrete thematische Anliegen einegangen wurde. Es wird darauf hingewiesen, daß die Interessen von Autisten faktisch offenbar bisher im DBR von niemandem vertreten werden, denn sonst gĂ€be es z.B. das genannte Problem ja nicht mehr. Zudem wird eingestanden, daß die Interessenvertretung von Autisten zur Zeit nur einen geringen Organisationsgrad besitzt. Weiter: "Hier sollte es meiner Ansicht nach zuerst um die Interessen der Menschen gehen und danach um Formalien." Es wird auf den oben zitierten Punkt 4.1 der DBR-Statuten hingewiesen um zu verdeutlichen, daß Autisten als Behinderte, die sich selbst vertreten können bisher offenbar nicht in den Gremien vertreten sind, trotzdem dort ausdrĂŒcklich ReprĂ€sentativitĂ€t als Ziel festgeschrieben wurde.
  • 14.4. Die ESH fragt wegen erneut ausbleibender Antwort des VdK nach.
  • 17.4. Der VdK bedankt sich fĂŒr die Zuschrift, bestĂ€tigt den Eintrag in die Newsletterliste und geht in keinem Wort auf das weitere Schreiben ein.
  • 11.6. Da die ESH keine weitere Antwort erhielt wendet sie sich direkt an den PrĂ€sidenten des VdK, Herrn Hirrlinger, gratuliert ihm zu folgendem Artikel http://kobinet-nachrichten.de/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid... und weist auf die brĂŒske ZurĂŒckweisung einer Teilhabe der ESH am DBR durch den offenbar zustĂ€ndigen FunktionĂ€r des VdK hin. Weiter:
    Zitat:
    "Ich hoffe, daß sich in dieser Frage eine unbĂŒrokratische Lösung finden lĂ€ĂŸt, die im Interesse der Sache liegt, fĂŒr die der DBR gemĂ€ĂŸ seiner ErklĂ€rungen stehen möchte."
  • 12.6. Antwort des VdK-FunktionĂ€rs:
    Zitat:
    "ich entnehme Ihrer e-mail an Herrn Hirrlinger, dass Sie neben dem Bezug des Newsletters auch die Mitgliedschaft im DBR anstreben.",
    etc.
  • 12.6. Die ESH weist erneut auf die angeregte Zusammenarbeit hin, stellt genauere Fragen hinsichtlich Rechten und Pflichten von Mitgliedern und weist darauf hin, daß eine Kennenlernphase im Rahmen einer unbĂŒrokratischen Teilhabe als eine Art "Halbmitgliedschaft" fĂŒr sinnvoll gehalten wird. (Wohlgemerkt es gibt einen konkreten Mißstand, auf den der DBR bisher in keinem Wort einging! Wie wurde oben der DBR noch zitiert? "Unter anderem ist Aufgabe des Deutschen Behindertenrates, Interessen behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen verbandsĂŒbergreifend offensiv zu vertreten.")
  • 13.7. Die ESH weist in einem Schreiben den VdK nochmal erinnernd darauf hin, daß die Korrespondenz mit dee ESH offenbar grundsĂ€tzlich von den FunktionĂ€ren beim DBR abgeblockt wird.
  • 17.9. Nochmalige Nachfrage der ESH beim VdK.
    Zitat:
    "Ich rufe Sie dazu auf Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und zu dieser Sache eine aussagekrÀftige Stellungnahme abzugeben."
  • 17.10. Eine Antwort erreichte die ESH erneut nicht. Nachdem ein Aktivist sich erbarmte beim DBR telefonisch nachzuhaken um auf die noch ausstehende schriftlich-barrierefreie Antwort hinzuweisen schreibt der DBR, daß die ESH einen Mitgliedantrag stellen solle. Die Fragen zur Mitgliedschaft aus dem letzten Schreiben der ESH bleiben unbeantwortet. Weiter:
    Zitat:
    "Sollten Sie noch RĂŒckfragen haben, können Sie sich jederzeit gern an mich wenden!"
  • 24.10. Nach Beratungen innerhalb der ESH wie man auf diese Frechheit noch reagieren sollte, einerseits fast nichts zu beantworten und andererseits dazu einzuladen RĂŒckfragen zu stellen wird ein Antwortschreiben verfasst, in dem auf die bisher nicht beantworteten Inhalte und Fragen hingewiesen wird.
    Zitat:
    "Daß es noch RĂŒckfragen gibt, wird daraus klar ersichtlich."
    und
    Zitat:
    "Ihr bisheriges Verhalten empfinde ich daher in Anbetracht der AbsichtserklĂ€rungen auf der Site des DBR mittlerweile als regelrecht befremdlich. Ich wĂŒrde mich freuen, wenn Sie dieses Problem in Ihren internen AblĂ€ufen beseitigen könnten."

Darauf erfolgte bis zum Tag der Veröffentlichung dieses Artikels erneut keine Reaktion des DBR. Seit ĂŒber einem halben Jahr ignoriert der DBR das geschilderte ernste Problem der hochgradig mangelnden Barrierefreiheit im Internet und prĂ€sentierte sich als seelenlose BĂŒrokratiemaschine, die sich zwar mit großen Zielen schmĂŒckt, diese jedoch im Alltag in beschĂ€mender Weise mit FĂŒĂŸen tritt.

Nach den Erfahrungen der ESH werden Autisten allgemein von BehindertenverbÀnden sogar noch stÀrker ausgegrenzt als von normalen staatlichen Behörden.

Wer gegen das Verhalten im oben aufgefĂŒhrten Beispielfall protestieren will, der kann es z.B. unter den folgenden Emailadressen tun:

info@deutscher-behindertenrat.de
kontakt@vdk.de