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Von Autismus bis V├Âlkermord und/oder Welterbe - Mahnappell zum neuen Jahr

Bis heute ist die Interessenvertretung der Autisten eklatant unterentwickelt angesichts der Sch├Ąrfe der bis heute nahezu unvermindert vorzufindenden Diskriminierungen gegen├╝ber Autisten. Woran liegt das? Der Versuch einer Einordnung.

Es ist ein Ph├Ąnomen. Wir stehen kurz vor einem neuen V├Âlkermord. Aber die betreffende Minderheit interessiert das nicht. Obwohl diese Gefahr durchaus von Vielen erkannt wird, tut kaum jemand etwas dagegen. Ja nicht nur das, Aktivisten die sich ├╝ber diese Situation vollkommen bewu├čt sind, ziehen sich immer wieder wegen kaum nachvollziehbarer Kleinigkeiten beleidigt ins Privatleben zur├╝ck. Was ist da los? Wie kann das sein? Es handelt sich doch eigentlich um intelligente und zu gro├čen Teilen vern├╝nftige Menschen?

Neulich konfrontierte mich ein gestandener Autist mit seiner Erkenntnis: Autisten sind die Juden der BRD. Hoppala, sowas darf man doch nicht denken, geschweige denn aussprechen!? Schlie├člich disqualifiziert man sich mit jedem Nazivergleich von selbst. Au├čerdem gibt es genug Unterschiede zwischen beiden Situationen. Zumindest war das mein erster Impuls. Aber kann das f├╝r V├Âlkermordthemen gelten? Wie soll man die Shoa als Mahnung verstehen, wenn man die damit in Zusammenhang stehenden geschichtlichen Erfahrungen aufgrund eines Tabus nicht laut mit heutigen Vorkommnissen in Verbindung bringen darf? Nat├╝rlich verbietet es sich leichtfertig Bez├╝ge zum Nazistaat herzustellen, aber die Gr├╝nder der BRD selbst waren fest davon durchdrungen Lehren aus dem Erlebten zu ziehen und das setzt auch voraus, da├č man Vergleiche anstellen darf. Besonders dann wenn sich wieder gro├čes Unheil abzeichnet.

Eugenik gegen├╝ber Autisten praktizierten bereits die Nazis. Nicht gegen Autisten als klar umrissene Personengruppe. Auch nicht gegen eine Personengruppe die vermeintlich die Welt parasit├Ąr kontrollieren w├╝rde. Und meines Wissens auch nicht als Kriegshandlung, denn die Shoa war aus Sicht der Nazis ein Teil des Krieges, der vom Weltjudentum gesteuert sei. Au├čerdem war der Nazistaat eine Diktatur.

Die Shoa gilt heute Vielen als der V├Âlkermord schlechthin. Ein V├Âlkermord an Autisten? Die Autisten sind doch gar kein Volk. Nicht? Der klassische Begriff des Volkes geht deutlich weiter als das heute meist vorzufindendes Verst├Ąndnis und das spiegelt sich auch im allgemeinen Verst├Ąndnis des V├Âlkermords wider. Schon die europ├Ąischen Juden waren ja kein Volk im nationalen Sinn und sie waren auch keine Anh├Ąnger einer bestimmten Religion. Diese "Juden" stellten eine durch den Nazistaat nach eigenen weltanschauliche Kriterien gesetzlich definierte Personengruppe dar. Eine Definition mit dem Ziel der Ausgrenzung.

Das was schon heute passiert, z.B. die gezielte massenhafte vorgeburtliche Ermordung von Menschen mit Trisomie 21 geschieht ebenso auf Grundlage gesetzlicher Festlegung dessen, was lebenswert und was lebensunwert ist. Wie auch im Nazistaat sind Teile der ├ärzteschaft tief involviert. Und wenn man genau hinschaut, mu├č man feststellen, da├č es eine kaum bestreitbare ideologische Kontinuit├Ąt dieser eugenischen Massens├Ąuberungen hierzulande gibt. Nat├╝rlich distanziert man sich mit gro├čem Gebr├╝ll davon, wie zur Nazizeit ausgewachsene vermeintlich lebensunwerte Menschen zu ermorden. Mit heutigen Methoden l├Ą├čt sich das strategische Ziel viel eleganter bewerkstelligen.

V├Âlkermord ist kein Privileg von Diktaturen. W├Ąre es weniger verwerflich gewesen, wenn die Shoa als Resultat einer freien und fairen Volksabstimmung erfolgt w├Ąre? Nat├╝rlich nicht ÔÇô V├Âlkermord ist V├Âlkermord. Ein Straftatbestand des V├Âlkerrechts. Es macht auch keinen Sinn zu versuchen einen heute mitten unter uns stattfindenden V├Âlkermord wegzuerkl├Ąren. Die V├Âlkermordkonvention, die auch in Deutschland geltendes Recht ist, enth├Ąlt als Straftatbestand unter anderem ausdr├╝cklich "die Anordnung von Ma├čnahmen zur Geburtenverhinderung". Zweifellos hat der deutsche Gesetzgeber Ma├čnahmen angeordnet, die diesen Effekt haben und auch haben sollen. Er f├Ârdert auch - wie damals - einseitige Forschung, die als Legitimationsgrundlage dient oder sich direkt damit besch├Ąftigt technische Voraussetzungen f├╝r den V├Âlkermord zu erlangen. Er schafft u.a. dar├╝ber hinaus finanziellen Druck zur Durchsetzung des V├Âlkermords, der von der Justiz auch umgesetzt wird, siehe das BGH-Urteil vom 18.6.2002 Az. VIZR136/01 (Abhandlung dazu: http://www.ratgeber-arzthaftung.de/pdf/Abtreibung.pdf ) in welchem ein Arzt, der nicht seiner "Pflicht" nachkam die Schwangere ausreichend ├╝ber die "M├Ąngel" des ungeborenen Kindes zu informieren und diese deswegen das Kind nicht t├Âten lie├č, zu Unterhalt und Schmerzensgeld in f├╝nfstelliger H├Âhe verurteilt wurde. Diese Rechtsnormen gelten selbstverst├Ąndlich auch f├╝r Autisten und wir kennen auch hinl├Ąnglich die verbreiteten Ursachenverdrehungen durch die eine gesellschaftliche Diskriminierung zum Defizit einer Personengruppe umdeklariert wird. Alles ist bereit. Nur der Startschu├č fehlt noch.

Die Lage ist ernst, praktisch schon morgen kann es praktisch m├Âglich werden Autisten vorgeburtlich mit einer f├╝r den deutschen Gesetzgeber ausreichenden Wahrscheinlichkeit zu identifizieren. (Siehe beispielhaft erg├Ąnzend: http://asansouthwestohio.blogspot.com/2009/10/why-autism-speaks-does-not... (englisch) und http://autisten.enthinderung.de/autism_speaks ) Absolute Sicherheit hat er noch nie verlangt, weswegen als Kollateralschaden des V├Âlkermords stets auch irrt├╝mlich diagnostizierte Menschen vorgeburtlich get├Âtet werden, die eigentlich gar nicht zur staatlich definierten Gruppe z├Ąhlen. Ist es eine Schockstarre, wenn trotzdem kaum ein Autist beginnt in einem Ma├če aktiv zu werden, das erforderlich w├Ąre? Ist es Fatalismus? Was es auch ist, in der staatlich definierten Gruppe der "Juden" sah es zur Zeit des Nazistaats erstaunlich ÔÇô oder besser erschreckend ÔÇô ├Ąhnlich aus. Und aufgrund der heutigen Methode der Eugenik gibt es auch keinen Auswanderungsdruck, denn wie sollten Ungeborene auch auswandern?

Die christlichen Kirchen, insbesondere die evangelische, sind indes so damit besch├Ąftigt sich von der eigenen Rolle im Nazistaat zu distanzieren und Personen wie Dietrich Bonhoeffer zu huldigen, da├č sie kaum mehr in der Sache fertigbringen als gelegentlich halbherzige, fast schon widerwillig pflichtgem├Ą├če Protestbekundungen kundzutun. Ohnehin sind gerade die Gro├čkirchen durch milliardenschwere Verflechtungen mit dem Staat kaum ├╝bersehbar korrumpiert. Andere Bev├Âlkerungskreise lie├čen sich zumindest bisher kaum mobilisieren oder sind selbst von der - gesellschaftlich heute auch noch zutiefst verwurzelten - Eugenik ├╝berzeugt und verspotten die Zielgruppen v├Âllig unverbl├╝mt. Immerhin: Die r├Âmisch-katholische Kirche verurteilt Abtreibungen allgemein bis heute in glaubw├╝rdiger Weise. Dadurch wird leider ein laufender V├Âlkermord auch nicht aufgehalten.

Nun kann man sich aus Sicht der christlichen Theologie sicherlich fragen, ob man sich in solche Dinge einmischen sollte. Tatsache ist jedoch zumindest, da├č gerade die evangelische Kirche, die damals teilweise im vorauseilenden Gehorsam laut Staatsgesetz als Juden einzustufende christliche Pastoren von sich aus aus dem Amt entfernte, sich durch das ├╝berdeutliche Bekenntnis zu Personen wie Bonhoeffer genau dazu bekennt es im Falle des Falles als geboten zu erachten sich auch unter Lebensgefahr einzumischen. Dies ist im ├╝brigen ein Geist, welchen das zugunsten vor allem der EU-Ebene immer weiter ausgeh├Âhlte Grundgesetz der BRD atmete und der bis heute der Form halber noch gepflegt wird, indem die Staatsf├╝hrung regelm├Ą├čig offiziell einem Mordanschlag auf einen deutschen Regierungschef gedenkt und zwar gerade auch, weil dieser einen V├Âlkermord ver├╝bte. Verkehrte Welt? Nat├╝rlich und das haben selbst Kabarettisten schon lange erkannt, wenn zumeist auch in anderen Zusammenh├Ąngen (z.B. ├Âkologischen): Will uns die deutsche Staatsf├╝hrung durch diese Festlichkeiten daran erinnern, da├č nach ihren eigenen Ma├čst├Ąben ethisch integere Personen Anschl├Ąge auf sie ver├╝ben sollten?

Fakt ist: Wir k├Ânnen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht damit rechnen, da├č jemand den V├Âlkermord an etwa 70 Millionen Autisten aufhalten wird. Aber wir k├Ânnen und m├╝ssen aus eigenem Interesse unser M├Âglichstes versuchen. Wer will z.B. in einer Welt altern, in der es fast keine jungen Autisten mehr gibt?

Was ist in und mit einer Gesellschaft geschehen, die nicht mehr erkennen kann, dass ihre Handlungsweise zu einem gro├čen Artensterben in Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt f├╝hrt? Ist die daraus resultierende Armut im menschlichen Sein und in der Sinngebung unseres Lebens wirklich gewollt? Ist denjenigen bewusst, die Forschung betreiben um einen Teil des Lebens ungeschehen zu machen, dass sie die Sch├Âpfung und damit sich selbst berauben um Regungen, Respekt und Toleranz, Begabung, Herzensw├Ąrme und G├╝te, Kunst und Wissenschaft? Wahrscheinlich hat sp├Ąter mal wieder niemand was gewu├čt?

La├čt uns die Unesco ├╝berzeugen Autismus in die Welterbeliste aufzunehmen. La├čt uns zusammenarbeiten, um einen Gegenpol in der ├ľffentlichkeit zu bilden. Engagiert euch in ernstzunehmenden Autistengruppen. Werdet z.B. Mitglied im Auties e.V. (siehe unter Kontaktformulare) und zeigt Flagge f├╝r eine selbstbewu├čte autistische Kultur. Beteiligt euch in den Foren, macht in der ESH mit, helft anderen, teilt uns eure Ideen mit. Gr├╝ndet eine neue Autistengruppe, wenn ihr so effektiver arbeiten k├Ânnt - wir kooperieren mit euch. Vor einiger Zeit schlug mal jemand vor, man k├Ânne vielleicht mal eine Autistenpartei gr├╝nden. Damals antwortete ich, da├č es daf├╝r wohl keine Notwendigkeit gibt. Vielleicht habe ich mich geirrt? Welche relevante Partei vertritt in diesem Land denn eine klare Position gegen den stattfindenden sich mehr und mehr ausweitenden V├Âlkermord? Mir ist keine bekannt.

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