Achtung Achtung!

Die ESH hat nun eine neue eigene Plattform (abrufbar im Menü unter "Enthinderung"). Auf absehbare Zeit wird jene Plattform aktueller gestaltet sein als diese hier.

RĂŒckblick auf unseren Proteststand auf dem 3. Autismustag in Potsdam

Unter dem Motto „Wider den Gedenktag - FĂŒr die Akzeptanz | 18.06. Autistic Pride Day“ nahm die ESH die Veranstaltung zum 3. Autismustag in Potsdam als Anlass um ihre Positionen zu vertreten und offensiv gegen die Veranstaltung, den Veranstalter und diverse dort prĂ€sente Aussteller zu protestieren.

Am 18.12.2007 bestimmte die UN ĂŒber die Köpfe der Autisten hinweg den 2.4. jedes Jahres zum „Weltautismustag“. In der ErklĂ€rung zu dessen Einrichtung wurde nicht nur der Ă€ltere von Autisten geschaffene Autistic Pride Day ignoriert, vor allem wurden darin auch eindeutig Autismus pathologisierende Positionen vertreten. Damit verstieß die UN nicht nur gegen eigene Prinzipien z.B. aus der UN-CRPD-Konvention, sondern ergriff sinngemĂ€ĂŸ selbst „in großer Sorge“ Partei fĂŒr eine sehr fragwĂŒrdige „AufklĂ€rung“ ĂŒber Autismus, die in weiten Teilen von nichtautistischem UnverstĂ€ndnis durchzogen ist (Link zu einer deutschen Fassung der entsprechenden UN-Resolution) und fĂŒr viele Autisten bis heute schwere negative Auswirkungen im Alltag hat.

Dieser Vorgang ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich um tatsĂ€chliche AufklĂ€rung ĂŒber Autismus und erforderliche Maßnahmen der Barrierefreiheit, beziehungsweise Universellen Designs bemĂŒhen. Deswegen wird dieser Tag in Autistenkreisen auch als Antiautismustag bezeichnet. In den USA haben Autisten als Gegenveranstaltung zum als Machwerk von Autism Speaks wahrgenommenen UN-Gedenktag fĂŒr den 1.4. den „Autism Acceptance Day“ ausgerufen.

Der Stand der ESH war um 9.00 Uhr aufgebaut und wurde regelrecht „gestĂŒrmt“. Wir hatten bereits um 11.30 Uhr die BefĂŒrchtung, dass die Flyer, die ĂŒber den Umgang mit Autisten sowie deren Erfordernisse informieren sollten, nicht mehr lange reichen wĂŒrden. Besucher waren vorwiegend Eltern, aber auch hilfesuchende erwachsene Autisten und Auszubildende aus dem Sozialbereich.

Wir verteilten Fragebögen an den anderen StĂ€nden, erklĂ€rten deren inhaltlichen Hintergrund und baten, diese auszufĂŒllen mit dem Angebot einer spĂ€teren Auswertung. Die vertretenden Therapiezentren nutzten diese Chance durchweg nicht und untermauerten den Eindruck es gehöre zu ihrem GeschĂ€ftsmodell Probleme möglichst nicht von Grund auf zu lösen, sondern aufwĂ€ndig und mit grossem Gestus zu verschleppen. DafĂŒr kam es durch die Auswertung zu spannenden Diskussionen mit AHA-Effekten bei Auszubildenden. Wir waren den gesamten Tag in GesprĂ€che verwickelt. Zeitweise mussten wir die Besucher bitten, spĂ€ter noch einmal zu kommen, da wir bereits zwei GesprĂ€che zeitgleich fĂŒhrten.

An diesem Tag wurde uns wieder einmal bewusst, wie alleine Eltern oft gelassen werden, die sich verantwortungsvoll und informiert fĂŒr ihre autistischen Kinder um angemessene LebensumstĂ€nde bemĂŒhen und wie nötig diese Eltern unsere Hilfe benötigen.

Erfreut nahmen wir zur Kenntnis, dass neben unseren Stand nur der Stand des Elternverbandes Autismus Deutschland und die Flex-Schule nennenswerten Zulauf hatten und alle InfostÀnde mit Therapieangeboten gering frequentiert wurden. Das lÀsst hoffen!