Achtung Achtung!

Die ESH hat nun eine neue eigene Plattform (abrufbar im Menü unter "Enthinderung"). Auf absehbare Zeit wird jene Plattform aktueller gestaltet sein als diese hier.

Autisten - Eine Minderheit

Sich gegenseitig wenig verstehende Sprachgruppen innerhalb einer Gesellschaft neigen unter bestimmten Umst├Ąnden dazu, einander mi├čtrauisch zu belauern. Sprachgruppen? Ja, Autisten gewichten aufgrund ihrer charakterlichen Veranlagung Sprache anders, messen dem verbalen Sprachanteil gr├Â├čere Bedeutung zu, als es Nichtautisten (NA) gemeinhin tun.

Letztere verst├Ąndigen sich gerne zu gro├čen Teilen ├╝ber andeutende Signale des K├Ârpers, der Stimmlage, etc. ├ťberwiegend verbale Kommunikation (wie z.B. rein schriftliche ├╝ber das Internet) erscheint ihnen daher karg und unattraktiv. Autisten tendieren oft dazu, eine weit l├Ąssigere Beziehung zu ihrem K├Ârper zu haben, ihn mehr als Werkzeug zu betrachten, denn als Teil ihrer eigenen Person oder gar schlichthin als sich selbst.

Essentiell f├╝r die Entstehung von Mi├čverst├Ąndnissen ist Ahnungslosigkeit ├╝ber vorhandene Unterschiede. In manchen Regionen der Erde gilt Kopfsch├╝tteln als Bejahung und Kopfnicken als Ablehnung. Wenn ein Angeh├Âriger der Bev├Âlkerungsminderheit der Autisten sich nun gem├Ą├č seiner Veranlagung ├╝berwiegend verbal ausdr├╝ckt, seinen K├Ârper jedoch dabei nicht anspannt und bewegt, wie es NA gerne tun, ergibt sich daraus wahrscheinlich der Eindruck bei einem NA, da├č diese Signale die Gef├╝hlslage des Gegen├╝bers transportieren.

Daher wirkt der Autist im System der nichtautistischen Sprache teilnahmslos, desinteressiert, schwach, depressiv, tot, etc. Kaum ein NA wird auf den Gedanken kommen, da├č der Autist schlichtweg rar mit seinem K├Ârper kommuniziert, da NA wissen, da├č diese K├Ârpersprache bei ihnen selbst zu gewichtigen Teile unbewu├čt zum Ausdruck kommt. Daher auch die vielen B├╝cher und Kurse ├╝ber K├Ârpersprache. Die kaufen ja nicht nur Autisten, sondern vor allem NA, die lernen m├Âchten auch per K├Ârpersprache l├╝gen zu k├Ânnen.

Somit w├Ąre es f├╝r einen NA aufgrund seines Selbsterlebens v├Âllig abwegig von einer grundlegend anderen Kommunikationsveranlagung auszugehen, die nicht erlernt ist, sondern Teil des Charakters einer Person. Hier versagt dem NA seine Emphatie, die nur dann funktioniert, wenn ├ähnlichkeiten zwischen eigenem Welterleben und demjenigen von Mitmenschen ausgemacht werden. Autisten jedoch befinden sich meist rein aufgrund ihrer Minderheitenrolle in der Lage ihre nat├╝rliche Emphatie nur eingeschr├Ąnkt anwenden zu k├Ânnen. W├Ąren die Mehrheitsverh├Ąltnisse anders - wer will nicht behaupten, da├č NA statt Autisten sich ihrerseits als Aliens erleben w├╝rden.

Da viele Menschen gesunderweise dazu neigen sich mitsamt ihren Charaktereigenschaften positiv zu werten, tendieren nun auf Grundlage solcher Mi├čverst├Ąndnisse nicht wenige NA dazu, nach Kenntnisname der f├╝r sie im Grunde undenkbaren Andersartigkeit ebendiese defizitorientiert anhand ihrer Abweichungen zu bedauern:

"Aber mir schmeckt Sauerkraut mit Bratenso├če so gut! Da├č du daran keine Freude hast, tut mir sooooo leid. Du mu├čt krank sein! Du wei├č gar nicht, was dir entgeht! La├č dir doch helfen!"

Die Arroganz der Mehrheit ist bekannt f├╝r ihre Neigung, Minderheiten auszugrenzen. Was f├╝r selbstgew├Ąhlte Minderheiten ein Teil gegenseitigen Konformit├Ątsdrucks z.B. in Generationskonflikten sein kann, ist f├╝r Angeh├Ârige von unfreiwilligen Minderheiten rasch eine grundlegend traumatisiernde Erfahrung. Der Konformit├Ątsdruck richtet sich nicht gegen freie ├ťberzeugungen, sondern gegen die eigene unumst├Â├člich so seiende Natur, den Menschen an sich.

Die Mehrheit braucht Minderheiten anscheinend existentiell, um sich selbst zu definieren und mi├čbraucht sie zu diesem Zweck in menschenverachtender Weise. Als Alternative zur sinnstiftenden Wirkung von inneren und ├Ąu├čeren "Anderen" kommen auch Ideale kaum in Betracht, da eben solche Ideale Anderartigkeit erst kenntlich machen.

Solcherlei Ausgrenzung verursacht in der Folge gravierende Sch├Ąden wie Kriegskosten auf zwischenstaatlicher Ebene oder menschenunw├╝rdige Lebensbedingungen und Chancenungleichheit von Angeh├Ârigen ausgegrenzter Minderheiten auf ziviler Ebene.

Da andererseits Ausgrenzung dieser Art nicht zu den christlichen Wurzeln unserer modernen Ethik passt, werden mittlerweile andererseits gro├če Summen aufgewandt, um die Folgen der Ausgrenzungen zu beseitigen. Da jedoch viele Angeh├Ârige der Mehrheit, wie auch der sich untereinander nicht vertrauten Einzelminderheiten die Diskriminierungen als v├Âllig selbstverst├Ąndlich schlichtweg nicht mehr wahrnehmen, passiert nun etwas Verbl├╝ffendes:

Die in vielen F├Ąllen noch durch v├Âllig ineffiziente Strukturen und Korruption gesteigerten Kosten zur wenigstens teilweisen Beseitigung von Ausgrenzung werden als in der Ursache von den Minderheiten selbst zu verantworten gesehen. Die Kosten der Polizei werden den Verbrechensopfern zugerechnet. "Warum l├Ą├čt du dich auch verpr├╝geln und machst deswegen ein teures Verfahren notwendig." Diese Logik funktioniert nur, wenn die arrogante Mehrheit sich selbst nicht von einem Unrecht betroffen wei├č und somit ihre Emphatie in Bezug auf Minderheiten ohne Bezug zu ihrem Ego kaltstellen kann.