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Begriffslexikon

- ABA = Applied Behavior Analysis. Eine heute oft angewendete Methode zur "Fr√ľhf√∂rderung" von Autisten, die einen relativ guten Ruf hat, jedoch gro√üe Risiken birgt, schwere Sch√§den an den Kindern zu verursachen (√§hnlich der Umerziehung von Linksh√§ndern zu Rechtsh√§ndern) und deren Wirksamkeit bisher entgegen anderslautender Behauptungen nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Es gibt gewisse logische Parallelen von ABA zu z.B. historischen "therapeutischen" Versuchen, Geh√∂rlosen das Geb√§rden zu verbieten, damit diese die Lautsprache besser lernen w√ľrden. Die Folgen f√ľr Autisten sind jedoch vermutlich gravierender. Genauere Informationen 1, 2 und 3

- AQ-Test = Screeningtest, der nicht mehr als eine statistische Wahrscheinlichkeit daf√ľr angeben soll autistisch zu sein. Das bedeutet, da√ü manche Autisten bei diesen Tests auch niedrige Punktzahlen erreichen. Wer einen hohen AQ erzielte ist ebenso nicht unbedingt autistisch, auch manche andere Pers√∂nlichkeitstypen erzielen aufgrund der Ausrichtung der Fragen √∂fters h√∂here Punktzahlen darin. Die verschiedenen Versionen sind oft sprachlich ungenau formuliert, weswegen Autisten oft sehr lange brauchen sich zu √ľberlegen, was mit einer Frage gemeint sein k√∂nnte oder deswegen manche Fragen logisch unbeantwortbar finden.

- Asperger-Autismus = Im Sinne heutiger diagnostischer Untergruppen eine angenommene Untergruppe des Autismus, die erst nach dem dritten Lebensjahr im Sinne der jeweiligen Diagnosekriterien auff√§llt. Heute gibt es fundierte Zweifel an der realen Existenz eines grundlegenden Unterschieds, der solche systematische Untergliederung rechtfertigen w√ľrde. Ein aktueller Theorieansatz ist der des Autismusspektrums (siehe dort). Benannt nach Hans Asperger. Fr√ľher auch entsprechend damaliger falscher theoretischer Annahmen als autistische Psychopathie bezeichnet (siehe dort).

- Aspie = Asperger-Autist (diese Diagnoseschublade ist vermutlich in der Abschaffung begriffen)

- ATZ = Autismuszentrum (sind zwar spezialisiert, vertreten aber aufgrund der Nähe zu Elterngruppen meist auch zweifelhafte bis schädliche Auffassungen)

- Autie = Autist

- Autistic Pride = englisch "autistisches Selbstbewu√ütsein". Eine kulturelle Emanzipationsbewegung im Wesentlichen getragen von Autisten, die Autismus als Teil einer neurodiversen Normalit√§t betrachtet und f√ľr Enthinderung und eine nichtpathologisierende Wahrnehmung von Autisten eintritt. Genauere Informationen.

- Autistic Pride Day = Feiertag im Sinne der Autistic Pride Bewegung, der von manchen Anhängern dieser Bewegung am 18.6. begangen wird. Andere Anhänger lehnen Feiertage als nichtautistisches Kulturgut prinzipiell ab.

- autistische Psychopathie = veraltete und sachlich falsche Bezeichnung f√ľr "Asperger-Autismus" (siehe auch dort). Dieser Begriff f√ľhrte sich auf die Annahme z.B. nach Bettelheim zur√ľck, Autismus entst√ľnde durch die ung√ľnstige Einwirkung der Eltern auf die jeweiligen Kinder (siehe auch K√ľhlschrankmutter), sei also eine Traumatisierung, die mit entsprechenden psychologischen Anti-Trauma-Methoden behandelt werden k√∂nne. Diese Theorie ist heute eindeutig √ľberholt.

- Autistisches Spektrum = theoretischer Erkl√§rungsansatz f√ľr Autismus, der im wesentlichen davon ausgeht, da√ü es statistisch gesehen in der Bev√∂lkerung einen flie√üenden √úbergang von Nichtautismus zu Autismus gibt. Folglich g√§be es keine nat√ľrlich eindeutige Grenze von Nichtautismus zu Autismus, sondern eine menschlich definierte. Demnach w√§re Autismus eine Eigenschaft, die jeder Mensch in mehr oder weniger gro√üer Auspr√§gung aufweist.

- autistische Z√ľge = In der Praxis sehr uneinheitlich verwendeter Begriff. "Nicht genug f√ľr eine Diagnose aber zu viel um normal zu sein" - so oder so √§hnlich sagt man es Eltern von autistischen Kindern manchmal, wenn diese eine Begutachtung durchlaufen haben. Manchmal sehen √Ąrzte "autistische Z√ľge" auch als Teil des Autismusspektrums. Mitunter wird der Begriff verwendet, wenn √Ąrzte kein gr√ľndliches Wissen √ľber Autismus aufweisen und ein Autist nicht ganz mit ihren klischeehaften Erwartungen √ľbereinstimmt. Weiteres Problem ist die bis heute sehr mangelhafte Ber√ľcksichtigung der Lebensumst√§nde eines Autisten. Nur weil ein Autist wegen relativ geeigneter Lebensumst√§nde nicht nervlich am Ende ist, ist er nicht weniger autistisch.

- Autoaggression = Siehe Selbstverletzungen

- Barriere = Barrieren sind nicht nur fehlende Rollstuhlrampen, sondern alle Umst√§nde, die statistisch nicht typische Bev√∂lkerungsgruppen davon abhalten an gesellschaftlichen Vorg√§ngen teilzuhaben. Das k√∂nnen auch verbreitete Einstellungen anderer Bev√∂lkerungsgruppen sein. F√ľr Autisten ist die wohl folgenschwerste Barriere Verweigerte fernschriftliche Kommunikation.

- Barrierefreiheit = sinngem√§√ü meist eine Situation, die bestimmte Barrieren f√ľr bestimmte Bev√∂lkerungsgruppen nicht aufweist. Leider nur selten gruppen√ľbergreifend komplett barrierefrei im Sinne eines umfassend umgesetzten Universellen Designs.

- Behinderung = kein Begriff der speziell von Autisten verwendet w√ľrde, jedoch eine gro√üe Rolle in der Autistenszene spielt und kontrovers betrachtet wird. Dabei gehen auch viele Autisten von einem l√§ngst √ľberholten Behinderungsbegriff aus. Daher hier Ausz√ľge aus einem allgemeinen auch an sich lesenwerten Vortrag von Prof. W. Jantzen:

Zitat:
Behinderung, auf diesem Hintergrund - und jetzt kommt der Begriff, den Heiner Bielefeldt verwendet und f√ľr den man uns wirklich fast gesteinigt hat [vor 30 Jahren, Anmerkung 55555] - Behinderung ist eine gesellschaftliche Konstruktion. Das hei√üt keineswegs, dass es nicht gewisse Besonderheiten der Natur g√§be, die es auch zwischen uns √ľberall gibt, soweit wir als nicht behindert bezeichnet werden.

[...]

Dreimal in der Geschichte der Behindertenp√§dagogik ist herausgearbeitet worden - ich hatte das Gl√ľck, einer von den dreien zu sein - dass nicht der sogenannte Defekt der k√∂rperlichen Sch√§digung die Behinderung hervorbringt, sondern die dadurch hervorgebrachte soziale Isolation.
In dieser sozialen (Entwicklungs-)Situation der Isolation ist die Umgebung unf√§hig, einen sozialen Verkehr so zu gestalten, dass er den besonderen Bedingungen gerecht wird. Daraus resultiert ein sinnvoller und systemhafter Aufbau der psychischen Prozesse innerhalb der Isolation. Am deutlichsten kann man das nachlesen in Donna Williams Versuch einer √úbersetzung von Besonderheiten autistischer Menschen. Was andere Menschen f√ľr Autismus halten und erkl√§ren, so sagt sie, die selbst als autistisch gilt, sind unsere Selbstverteidigungsmechanismen.


Quelle

- Blickkontakt = H√§ufig erw√§hntes Diagnosekriterium f√ľr Autismus. Da der Blickkontakt f√ľr Nichtautisten offenbar ein wesentliches Kommunikationsmittel darstellt, versuchen diese oft Autisten dementsprechend nach ihren Vorstellungen umzuerziehen. Das kann √§hnlich der Umerziehung von Linksh√§ndern zu schweren Sch√§den f√ľhren, denn Autisten verhalten sich hierbei nicht aufgrund von Sch√ľchternheit oder √§hnlichem so, sondern aufgrund der Notwendigkeit Reizwahrnehmungen zu minimieren, um psychisch handlungsf√§hig zu bleiben.

- Delfintherapie = Eine "Therapie"methode, bei der Autisten mit Delfinen konfrontiert werden. Aufgrund des besonders positiven Images von Delfinen (z.B. "Flipper") meinen Eltern immer wieder, eine solche Therapie sei besonders erfolgversprechend. Tats√§chlich konnte noch keine Wirksamkeit nachgewiesen werden, die √ľber dem Kontakt zu gew√∂hnlichen Haustieren wie Hunden oder Meerschweinchen liegt. Solche Haustiere sind au√üerdem immer da, w√§hrend die Delfin"therapie" nur √ľber einen gewissen Zeitraum vorgenommen wird. Daher wird eine zudem noch sehr teure Defintherapie auch zu Recht in der Regel nicht von Krankenversicherungen bezahlt. Weiter ist die Haltung von Delfinen eine derartige Qu√§lerei f√ľr die Tiere, da√ü diese sich in der Gefangenschaft kaum fortpflanzen m√∂gen. Zudem sollte angemerkt sein, da√ü hier vor allem die auf das Kind projizierte Entt√§uschung der Eltern therapiert wird, ein Kind zu haben, das anders ist als man es sich vorgestellt hatte. Empfehlung: Statt Delfintherapie sollten die betreffenden Eltern eine Psychotherapie bei einer Fachkraft beginnen, die Autismus nicht pathologisiert (oft solche, deren Studium noch nicht zu lange zur√ľckliegt), damit sie ein gesundes Verh√§ltnis zu ihrem Kind entwickeln lernen.

- Diskriminierung = Unmittelbare Diskriminierung nennt sich die Benachteiligung von Minderheiten, wie z.B. der unfreiwilligen Minderheit der Autisten durch selektives Verhalten im Alltag. Siehe auch unter Pathologisierung. Mittelbare Diskriminierung nennt sich solche Benachteiligung von Minderheiten, die in Form scheinbar neutraler Gesetze, Normen und Verfahrensweisen durch die Nichtber√ľcksichtigung von Eigenarten bestimmter Minderheiten Barrieren errichtet, die eine Teilhabe an gesellschaftlichen Aktivit√§ten erschweren oder verhindern. Z.B. ist es in Bezug auf viele Autisten mittelbare Diskriminierung, von ihnen zu verlangen physisch in einem B√ľro vorstellig zu werden, um eine bestimmte Leistung zu erhalten, statt ihnen ausschlie√ülich schriftlichen Zugang zuzubilligen.

- Enthinderung = Autisten ben√∂tigen weniger Hilfen als Enthinderung, denn die Probleme von Autisten liegen zu gro√üen Teilen nicht in ihrer Identit√§t, zu der ihre autistische Art z√§hlt, sondern in der Ausgrenzung und dem Leben in einer Gesellschaft, die f√ľr Nichtautisten und deren Wesensarten ausgelegt ist. Diese H√ľrden abzubauen nennt sich Enthinderung. Enthinderung ist ein Recht, wogegen man meist annimmt, f√ľr Hilfe m√ľsse man dankbar sein. N√§heres siehe Artikel.

- Entwicklungsst√∂rung oder -verz√∂gerung = Diskriminierende Bezeichnung der Tatsache, da√ü sich Autisten insbesondere in der Kindheit teilweise deutlich anders entwickeln als durchschnittliche Nichtautisten. Mit vergleichbar selektiv-pathologisierender Wahrnehmung k√∂nnte man ebenso NA-Kinder und -Erwachsene gegen√ľber Autisten als zur√ľckgeblieben und entwicklungsgest√∂rt bezeichnen. Weiter ben√∂tigt ganz allgemein die Herstellung qualitativ hochwertiger Dinge mehr Zeit. Autisten gehen Dingen oft wohl mehr auf den Grund als Nichtautisten. Ebenso kann eine hohe Umgebungsbelastung aufgrund ung√ľnstiger Lebensumst√§nde dazu f√ľhren, da√ü ein Autist weit weniger Energie hat um sich zu entfalten. In Kombination damit haben Autisten oft als Angeh√∂rige einer zerstreuten unfreiwilligen kleinen Minderheit sich fremd in der f√ľr Nichtautisten ausgelegten Welt f√ľhlend zudem meist weniger Gelegenheit aus Kontakten mit Mitmenschen Dinge zu lernen, die unter Menschen weitergegeben werden.

- Ergotherapie = Hauptsache, man macht mal irgendwas. Placebo f√ľr die Eltern? Zitat aus A. Jean Ayres; Bausteine der kindlichen Entwicklung; Kapitel 9 - Das autistische Kind;
Seite 184; Springer-Verlag; 1992: "[es geht um Ergotherapie] Zur Zeit erreichen wir mit unserer Therapie allerdings meist keine nennenswerte Verbesserung der Situation. Wenn wir jedoch die Behandlung mit autistischen Kindern fortsetzen, finden wir vielleicht Zugang zu den neurologischen Problemen und k√∂nnen Methoden entwickeln, mit denen wir ihr Gehirn auch f√ľr das bewu√üte Erleben von Sinneseindr√ľcken bereitmachen." Fazit: Da√ü Autisten bereits genauer wahrnehmen als NA, wird schlichtweg ignoriert, auch nur ansatzweise Kenntnisse zu autistischen Eigenschaften scheinen nicht vorhanden zu sein.

- Festhaltetherapie = Auch bei Autisten angewandte "Therapie"methode, die auf die √ľberholte Annahme zur√ľckgreift, Autismus sei eine Traumatisierung. Diese Methode kann man getrost als K√∂rperverletzung an Schutzbefohlenen betrachten, die schwere Traumatisierungen der Kinder verursachen kann. Wird heute f√ľr Autisten fast einhellig abgelehnt. Artikel 1

- fr√ľhkindlicher Autismus = Im Sinne heutiger diagnostischer Untergruppen eine angenommene Untergruppe im Autismus, die aufgrund ihres Autismus fr√ľh im Sinne der Diagnosekriterien auff√§llt. Bedeutungsgleich mit Kanner-Autismus.

- gest√ľtzte Kommunikation (auch FC genannt) = Eine Methode, die die Kommunikation mit nichtsprechenden Personen erm√∂glichen soll (nicht speziell f√ľr Autisten). Aufgrund wissenschaftlicher Studien ist die Methode sehr kritisch zu sehen, jedoch konnte in wenigen F√§llen ein tats√§chliches Funktionieren nachgewiesen werden (Thread dazu). Falls bei Autisten diese Methode angewandt wird, ist auf jeden Fall zu √ľberpr√ľfen, ob die Methode funktioniert, etwa durch den Kopfh√∂rertest. Wird dieser Test "vom Autisten verweigert", besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, da√ü diese Verweigerung unbewu√üt tats√§chlich durch die "st√ľtzende Person" erzeugt wird.

- HFA = hochfunktioneller Autismus. Nach der Theorie eines Autismusspektrums meint dies den Bereich von Autismus, der zwischen willk√ľrlich gesetzter Grenze zum Nichtautismus und MFA oder LFA (siehe auch dort) angesetzt wird. Dieser Begriff ist zumindest als Zuschreibung auf konkrete Personen kritisch zu betrachten, weil heute oft die Folgen von Ausgrenzung und Falschbehandlung von Autisten in ihrem konkreten Umfeld f√§lschlich ihrem Autismus an sich zugerechnet werden. Darum ist hier sehr gro√üe Vorsicht geboten.

- Kanner-Autismus = siehe fr√ľhkindlicher Autismus. Benannt nach Leo Kanner.

- krank (in Bezug auf autistische Eigenschaften) = Link

- K√ľhlschrankmutter = Bezeichnung f√ľr M√ľtter von Autisten aus der Zeit der inzwischen widerlegten Annahme, Autismus stelle eine Traumatisierung sonst v√∂llig durchschnittlicher Kinder dar. Siehe auch "autistische Psychopathie".

- LFA = low functional autism. Eindeutschung siehe NFA. Im Sinne der unter HFA geschilderten theoretischen Annahme die am weitesten vom Nichtautismus eingeordnete Untergruppe im Autismusspektrum.

- Meltdown = akuter Overload, siehe Overload.

- MFA = mittelgradig funktionaler Autismus. Selten gebrauchter Begriff zur genaueren Differenzierung des Autismusspetrums. Siehe auch HFA.

- NA = Nichtautist

- Neurodiversit√§t = Aus der Biologie abgeleitete Theorie, die als gut begreift, da√ü Menschen unterschiedlich veranlagt sind. Gegensatz: Die Definition von Krankheit anhand des Abweichens von einer theoretisch bestimmten Norm f√ľr Gesundheit. √Ąhnliche Gegens√§tze direkt aus der Biologie: Intaktes robustes √Ėkosystem versus krankheitsanf√§llige Monokultur.

- NFA = niedrigfunktioneller Autismus. Eindeutschung von LFA, siehe dort.

- nonverbale Kommunikation = Siehe Subtext.

- normal = einer irgendwelchen menschlichen Vorstellungen entsprungenen Norm entsprechend. Entscheidend hierbei ist die Annahme einer Gruppe, f√ľr welche die Norm gelte. Je nach Bildungshorizont kann sich ein Normgef√ľge ausdifferenzieren.

- NT = neurotypische Person. Kritisch zu sehender Begriff, da er unterstellt, es gäbe typische und untypische Menschen. Siehe auch "normal".

- Overload = Überforderung der Sinne eines Autisten, die mehr oder weniger große Handlungsunfähigkeit und Schmerz nach sich zieht. Näheres im Artikel unten.

- Pathologisierung = Fremdenfeindliche und vorurteilsgetriebene gezielte Abwertung von Andersartigem mithilfe von selektiv negativer Wahrnehmung und Beschreibung. - Artikel: "Die Krankheit lauert √ľberall"

- Persönlichkeitsstörung = siehe "autistische Psychopathie". Ab dem DSM3 wurde der Begriff "Psychopathie" durch den Begriff "Persönlichkeitsstörung" ersetzt. Falschdiagnosen von Autisten sind keine Seltenheit (z.B. "sozial-unsichere-Rersönlichkeit").

- Prosopagnosie = Geringe bis nicht vorhandene Fähigkeit Gesichter wiederzuerkennen. Diese tritt bei Autisten wie Nichtautisten auf.

- Rain Man = ein Film, der in der √Ėffentlichkeit oft als pr√§gend f√ľr das Bild von Autismus empfunden wird. Dieser Film beruht auf einem Drehbuch, das inspiriert von der realen Person Kim Peek geschrieben wurde. Diese Person ist jedoch kein Autist, sondern ein Savant.

- Rituale = Autisten wird oft unterstellt besonders zu ritualisiertem Verhalten zu neigen, Eltern wird geraten den Alltag von autistischen Kindern zu ritualisieren. Näheres im Artikel unten.

- Selbstverletzungen = Schwer traumatisierte Menschen, ob Autist oder Nichtautist, neigen manchmal dazu, Stre√ü durch selbstverletzendes Verhalten (SVV) abzubauen. Da Autisten h√§ufiger unverstanden dahinvegetieren oder groben (auch unbeabsichtigten oder "gut gemeinten") Mi√ühandlungen durch Familie oder unqualifizierte Therapeuten ausgesetzt sind, tritt dieses Verhalten bei Autisten statistsch gesehen h√§ufiger auf als bei Nichtautisten. SVV kann zur Sucht werden, da bei Verletzungen k√∂rpereigene Drogen ausgesch√ľttet werden. Hier k√∂nnte theoretisch auch bei Autisten eine qualifizierte (heutzutage praktisch nicht auffindbare) auf autistisches Sein abgewandelte Traumatherapie sinnvoll sein, die bei den vorgefallenen subjektiv erlebten Mi√ühandlungen ansetzt (und nicht den Autismus therapieren will).

- SHG = Selbsthilfegruppe

- Smalltalk = Die Angewohnheit besonders von Nichtautisten nicht durch klare Aussagen zu kommunizieren, sondern durch Andeutungen. Diese Andeutungen verstehen auch Nichtautisten untereinander oft falsch, merken das aber oft nicht. Vielleicht ist das auch eine Funktion dieser drolligen Angewohnheit. Siehe zudem Subtext.

- Spezialinteresse = von englisch "special interest", halte ich pers√∂nlich f√ľr eine Fehl√ľbersetzung. "Speziell" ist im Deutschen ein weitgehend neutraler Begriff, der englische Begriff besitzt jedoch eine Bedeutungsspanne von "besonders" bis "sonderbar". Insofern ist dieser Begriff ein Begriff, den Nichtautisten erfunden haben, um Autisten zu pathologisieren und auszugrenzen, und sollte, wie ich denke, von Autisten nicht mehr verwendet werden.

- Stereotypie = Diskriminierende Abwertung von Interessen autistischer Personen durch Nichtautisten. Andersherum könnte man z.B. Kegelabende mit Smalltalk als stereotype Gruppenbeschäftigung bezeichnen.

- St√∂rung = Autisten werden von einer r√ľckschrittlichen und diskriminierenden Psychologie noch oft als gest√∂rt bezeichnet. Parallel zum Behinderungsbegriff liegt jedoch die St√∂rung tats√§chlich zwischen Autist und Nichtautist, nicht bei einer der beiden Parteien. Wenn die Telefonleitung zwischen einem Autisten und einem Nichtautisten gest√∂rt ist, ist ja auch nicht der Autist schuld.

- Subtext = Kommunikation und Sprachbedeutungen, besonders vis a vis, werden bei Nichtautisten zu √ľber 50% (manchmal wird 70% angegeben, solche Werte sind von der Definition abh√§ngig) durch Betonungen und Mimik transportiert. Diese Aussagen k√∂nnen Autisten oft nicht erkennen oder zuordnen. Auch, aber nicht vor allem aus diesem Grund bevorzugen Autisten schriftliche Kommunikation, in welcher allerdings noch Metaphern und indirekte Formulierungen unverstanden bleiben k√∂nnen.

- Synästhesie = Die Eigenschaft z.B. eine Zahl automatisch mit einem bestimmten Geruch oder einer Farbe zu assoziieren. Synästhesie ist eine Begabung, die unter anderem das Lernen erleichtert, da die Erinnerung in sich kombinierter und mit mehr Ansatzpunkten erfolgt. Autisten sind offenbar häufiger synästhetisch begabt als Nichtautisten.

- Theory of Mind (ToM) = Siehe Artikel unten.

- Therapierisiko, geringes = Oft stillschweigende und völlig verkehrte Annahme, bei Autisten wäre eigentlich nichts kaputtzumachen.

- Unangemessene Verhaltensweisen = Umschreibung der Fachleute, da√ü sie die Ursachen von Verhaltensweisen nicht verstehen und diese andere Leute st√∂ren. Das Nichtverstehen liegt meistens an mangelnder Professionalit√§t oder mangelnder Einbeziehung von anderen Autisten und ungen√ľgender Erfahrung. Dennoch gibt es diese Ursachen, ebenso wie bei einem Allergiker, der auf eine bestimmte Obstsorte allergisch reagiert. Solange man nicht wei√ü, da√ü es diese Allergie gibt und wann sie ausgel√∂st wird, werden Zusammenh√§nge meistens nicht klar erkannt. Und wenn Fachleute annehmen, da√ü Autisten eben "so" sind, dann suchen sie erst gar nicht nach den vorhandenen Ursachen.

- Unterst√ľtzte Kommunikation = Nicht zu verwechseln mit Gest√ľtzter Kommunikation. Umfasst verschiedene Zeichensysteme.

- Wahrnehmungsstörung = Diskriminierender Begriff zur Beschreibung der andersartigen Wahrnehmung von Autisten, sofern situationsunabhängig pauschal auf einen Menschen angewandt. Situationsabhängig angewandt weisen Nichtautisten wie auch Autisten unterschiedliche Wahrnehmungsstörungen auf.

- Zehenspitzengang = Der Zehenspitzengang, also das h√§ufige Gehen auf den Zehenspitzen, ist h√§ufig bei Autisten. Der Grund ist die empfindliche sensorische Wahrnehmung auch an den Fu√üsohlen, deren St√∂rpotential durch den Gang auf Zehenspitzen minimiert wird. Ein weiterer Grund k√∂nnte ein Vermeidenwollen von Verwackelungen bei der optischen Wahrnehmung sein oder auch das Gef√ľhl, das harte Aufsetzen w√ľrde im Kopf wehtun. M√∂glich ist dies auch, um nicht ganz gerade B√∂den auszugleichen, deren Ungeradigkeit NA nahezu nicht wahrnehmen, wenn der Autist besonders empfindsam auf solche Neigungen reagiert.

- Zur√ľckgeblieben = siehe Entwicklungsst√∂rung

- Zwang = Autisten wird mitunter nachgesagt, zu Zw√§ngen zu neigen. Richtig ist, da√ü Autisten manchmal Vorlieben haben, die auf Nichtautisten unverst√§ndlich wirken, aber ebensowenig aus einem Zwang herr√ľhren wie T√§tigkeiten von Nichtautisten, die ein Autist nicht versteht und f√ľr sinnlos h√§lt.

(Vergleiche auch die jeweils aktuellste Fassung hier.)