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Autisten - Krank?

Oft wird heute noch behauptet, Autisten seien krank. Stimmt das?

Es stimmt ebensoviel oder -wenig, wie die Behauptung, HomosexualitÀt oder LinkshÀndigkeit sei krank. Der Begriff "krank" ist ein kultureller, kein in der Natur festgeschriebener.

Zitat:
HomosexualitĂ€t wurde 1974 von der American Psychiatric Association (APA) gemĂ€ĂŸ einem Beschluss aus dem Jahr zuvor aus ihrem Krankheitenkatalog (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (kurz: DSM, damalige Auflage DSM-II) gestrichen – nicht zuletzt aufgrund der Forschungsergebnisse von Evelyn Hooker. Zuvor galt HomosexualitĂ€t als psychische Störung.

Quelle

Jedoch abgesehen von der philosophischen Einordnung sollte sich jeder klarmachen, daß solche Benennungen auch gesellschaftliche Macht widerspiegeln. In Bezug auf Autismus ist der Begriff "krank" daher eindeutig von Feindlichkeit gegenĂŒber Andersartigem geprĂ€gt (Xenophobie). Wer Autisten oder Autismus als "krank" bezeichnet, outet sich also gewissermaßen selbst als krank oder zumindest unreflektiert.

Auch Homosexuellen wurde wie heute Autisten unterstellt, sie seien weniger leistungsfĂ€hig, eine Ansicht, die heute vermutlich fast jeder als absurd betrachten wĂŒrde:

Zitat:
Und 1935 schrieb er in einem Brief an eine Mutter, daß auch Homosexuelle – durch eine Analyse – zu „Harmonie, Seelenfrieden und volle[r] LeistungsfĂ€higkeit“[24] gelangen können.

ebenda

Krank machte Homosexuelle nicht ihre HomosexualitÀt, sondern die gesellschaftliche Ausgrenzung. Auch bei Autisten verhÀlt sich dies im Wesentlichen nicht anders.

Ähnliches galt ebenfalls vor nicht allzu langer Zeit auch fĂŒr Frauen, die man nicht fĂŒr krank sondern oft gleich komplett minderbemittelt hielt:

Zitat:
In Berlin regiert zu jener Zeit der Kaiser, in Paris staunt man ĂŒber den Eiffelturm, in London sorgen die ersten U-Bahnen fĂŒr Aufsehen - und Frauen mĂŒssen enge Kleider tragen, dĂŒrfen nicht studieren und nicht ohne Erlaubnis ihrer MĂ€nner arbeiten, kein eigenes Vermögen haben, geschweige denn wĂ€hlen. Junge MĂ€dchen in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhundert werden in martialische Korsetts geschnĂŒrt und auf den einzigen Sinn ihres Lebens vorbereitet: Sie sollen möglichst gut verheiratet werden. Man hĂ€lt sie fĂŒr körperlich schwach und nicht zu intellektueller Leistung befĂ€higt.

Quelle

Thomas von Aquin, einem der bedeutendsten Philosophen, werden u.a. die folgenden Aussagen zugeschrieben (von uns bisher nicht verifiziert!):

Zitat:
Die Frau ist ein Missgriff der Natur [...] eine Art verstĂŒmmelter, verfehlter, misslungener Mann [...] die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann.

Zitat:
MĂ€dchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde.

Die Weltgesundheitsorganisation ist derzeit noch nicht bereit diesen schon lange ĂŒberfĂ€lligen Erkenntnisschritt mitzugehen und verweigert sich innerhalb der UN-Teilorganisationen den Werten der ansonsten als neuen Wertmaßstab anerkannten UN-Behindertenrechtskonvention. Auch durch diesen offenen Bruch mit zeitgemĂ€ĂŸen Menschenrechtsvorstellungen können die MaßstĂ€be der WHO mitsamt ICD, ICF, etc. aktuell gesellschaftlich nicht mehr als entscheidend betrachtet werden. Die Zeit, in der Ärzte von Heilern immer mehr zu WaidmĂ€nnern der Menschheit mutierten, steht hoffentlich vor ihrem Ende, so wie die WHO sich den wissenschaftlichen Erkenntnissen der letzten Jahrzehnte nicht weiter auf grundlegender Ebene verweigern kann. Auch die Gesellschaften im deutschsprachgen Raum stehen noch vor dem weltanschaulichen Umbruch erkennen zu lernen, daß Mediziner von ihrer Fachrichtung her gar nicht dazu in der Lage sind ĂŒber grundlegende gesellschaftliche Fragen zu entscheiden, in denen man sie trotz vergangener Entgleisungen bisher dennoch weiter aus Gewohnheit gewĂ€hren ließ. Wir machen hier den nötigen Anfang.