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Wem dient die Medizin?

Kaum ein weltanschauliches Konstrukt wird in unserer Zeit derartig unkritisch √ľberh√∂ht, wie die Medizin. Alleine zu formulieren, da√ü Medizin schlecht wirken k√∂nnte, scheint f√ľr die meisten Menschen abseits selektiver Skepsis an einzelnen Methoden undenkbar. Medizin dient schlie√ülich dem Menschen, so die Annahme. Wenn wir uns schlecht f√ľhlen, dann gehen wir zum Arzt und dort wird uns soweit menschenm√∂glich geholfen.

Ein Debattenbeitrag

Mir scheint dieser Kult namens Medizin, der so tief im heutigen Alltagsglauben verankert ist, da√ü grundlegende Hinterfragung geradezu undenkbar ist teilweise v√∂llig mi√üverstanden zu werden. Ja, die Medizin unterst√ľtzt den Menschen, der leistungsf√§hig im Rahmen der gesellschaftlichen Voraussetzungen, der vorzufindenden kapitalistischen Verwertungslogik verschiedener Spielart bleiben m√∂chte. Aber genau hier mu√ü man genau differenzieren, um zu erkennen, wem die Medizin wirklich dient.

In ihren Grundlagen funktioniert die Medizin nicht als Wissenschaft. Medizin ist eigentlich eher eine Religion, ein Kult, der ein bestimmtes Weltbild vertritt, das in keiner Weise wissenschaftlich hergeleitet werden kann. Die Disability Studien arbeiten sich seit Jahren an diesem Kultcharakter der Medizin ab, der vielen Menschen einen klaren (wissenschaftlich sauberen) Blick auf das in seinem Grundsatz gesellschaftliche Ph√§nomen "Behinderung" verstellt wie es fanatischer Rassismus tut. Wer von kapitalistisch konsequenter Betriebsf√ľhrung dahin gebracht wurde nicht mehr Schritt halten zu k√∂nnen, der erlebt ebenso ganz andere Seiten der Medizin. N√§mlich den Charakter des Respressionsinstuments Medizin, das gerade auch im "Psychobereich" von der Mehrheit weitgehend ignoriert wie eine Landplage w√ľtet und zwar auch nachdem festgestellt wurde, da√ü diese Repressionen diverse grundlegende Menschenrechte mi√üachten. Aber Medizin ist schlie√ülich gut, weil sie dem Menschen dient?

Mir scheint wir m√ľssen langsam erkennen, wem die Medizin wirklich dient. Schon um die Menschheit zu bewahren, wie wir sie kennen. Wir leben an einem epochalen Scheideweg, an dem die Medizin im Charakter einer UN-Welteinheitsreligion bereits damit begonnen hat die Zucht des Menschen durch kapitalistische Verwertungslogik zu organisieren. Ja, bei genauer Betrachtung dient die Medizin nicht dem Menschen, sondern der "Erwerbsf√§higkeit". Religion, deren Weltbild nicht reduktionistisch verfasst ist, wird insgeheim zwar von nicht wenigen Psychologen als Wahnkonstrukt betrachtet, sie hindert die Menschen jedoch nicht daran erwerbst√§tig zu sein - also wird sie nicht als krank im Sinne der Medizin eingestuft. Teil dieses Stillhaltepakts scheint zu sein, da√ü Vertreter dieser Religionen seit Jahrhunderten mit geradezu selbstverst√§ndlicher Miene der Medizin zugestehen die im Kern religi√∂sen Begriffe "krank" und "gesund" auch f√ľr den eigenen Wirkungsbereich auszudeuten, selbst wenn es dem eigenen religi√∂sen System widerspricht die Diagnosema√üst√§be der Medizin als quasi wahr anzuerkennen.

"Nicht die Nazis haben die √Ąrzte gebraucht, sondern die √Ąrzte die Nazis."
Ernst Klee

Dieses Ph√§nomen findet sich bei Weitem nicht nur in der jeweiligen Priesterschaft vor, auch die allermeisten Gl√§ubigen, sowie Anh√§nger von grunds√§tzlich gegen√ľber der "Schulmedizin" eigentlich kritischer Alternativmedizin gehen oft in befremdlicher Selbstverst√§ndlichkeit davon aus, da√ü der gerade aktuelle diagnostische Katalog der UN-Medizinbeh√∂rde geradezu absolute Wahrheiten beinhaltet. Auch wenn sie eigentlich ein ganz anderes Menschenbild vertreten. Es wird kaum realisiert, wem diese Medizinreligion zumindest heute dient: dem Feindbild vieler Religionen, der Logik des Mammons, dem Wirtschaftskult, der seit Jahrzehnten menschliches Leben in immer irrationalerer Weise dominiert und auf allen Ebenen durchdringt.

Die Wirtschaft dient schon lange nicht mehr dem Menschen, auch der Menschlichkeit h√∂chstens nur noch sehr bedingt. Der Mensch wird zunehmend Objekt der Wirtschaft, wird von √∂konomischer Verwertungslogik bestimmt, von der Ausgestaltung seiner Bildung bis eben zu seinem meist unersch√ľtterlichen Glauben an die Medizin und dem Mythos, da√ü diese ihm dient, statt gezielt denjenigen Menschen, die gedanklich von der kapitalistischen Verwertungslogik gefangen sind und glauben die eigene Leistungsf√§higkeit sei gewisserma√üen doch das vornehmste und auch wertvollste Merkmal ihres Menschseins.

Noch nie war menschliches Wirtschaften so wenig abh√§ngig von menschlicher Arbeitskraft. Das gilt zuerst f√ľr die k√∂rperliche Leistung, aber im Rahmen der zunehmenden Automatisierung auch ganz allgemein. Nicht wenigen ist bewu√üt, da√ü Erwerbst√§tigkeit eigentlich nicht mehr das Zentrum des Wirtschaftens, der Gesellschaft sein m√ľ√üte, das vermittelte Normziel aller Lebensl√§ufe. Die Gesellschaft vermag sich jedoch nur schwer von der Vorstellung zu l√∂sen, da√ü Menschen etwas im Rahmen des Geld-Tauschsystems tun m√ľssen, um ihre Bed√ľrfnisse bedient zu bekommen und hindert sich so auch an der Weiterentwicklung zu einer Gesellschaft, in der Menschen auch aus ihrer ethischen Verfasstheit vielleicht einmal wirtschaften k√∂nnen, indem sie einfach dem nachgehen, was ihnen Freude bereitet, ihnen sinnvoll erscheint.

Seit Erwerbst√§tigkeit zunehmend geistige F√§higkeiten voraussetzt schuf die Medizin ein dazu passendendes breites Psychosegment. Dieses Segment weitete die naive medizinische Vorstellung es g√§be eine "gesunde" menschliche Norm, die quasi dem Idealmenschen im Rahmen ihres Wertesystems entspricht, massiv aus auf das Empfinden des Menschen. Ihr bekanntes Muster, das Leid, das Menschen durch gesellschaftliche Umst√§nde erfahren zum Anla√ü zu nehmen die Menschen zu modifizieren wanderte in diesem Zusammenhang von eher k√∂rperlichen Perspektiven hin zur Entwicklung eines breiten psychischen Repressionssystems, das letztlich alle Menschen, die nicht die eigene kapitalistische Verwertung betreiben auch gegen ihren Willen und ihre Vorstellungen einer recht √§hnlichen Vernichtungslogik zuf√ľhrt, wie sie es mit ungeborenen Menschen tut, die nicht in ihr Raster passen. Das oft √ľber gezielte Angstmache gegen√ľber den werdenden Eltern, die zumeist sowieso selbst in kapitalistischen Verwertungskategorien denken und mit dem Leben an sich kaum etwas anzufangen wissen und es daher als Leiden betrachten.

Wir m√ľssen uns fragen, wie wir die Medizin √ľberwinden k√∂nnen, ehe es zu sp√§t ist und die Menschheit von diesem Kult wie in der Ferne schon abzusehend zugunsten einer Art von Endsieg des Konzern-Faschismus zu einer gehorsamen Haustierart "veredelt" worden ist, die jeglichen Sinn f√ľr das was wir als "menschlich" verstehen verloren hat. Wir m√ľssen verstehen, da√ü die Medizin uns nicht dienen will, sondern ein Instrument ist √ľber das wir benutzt werden.

Wir brauchen einen Gesundheitsbegriff, der etwa im Stil des Universellen Designs Ursachen f√ľr Leiden tats√§chlich dort zu sichten in der Lage ist, wo sie zu finden sind, statt sich nahezu durchweg einseitig darauf zu versteifen, den Menschen zu √§ndern, um ihn seinen vorzufindenden Lebensumst√§nden anzupassen. Denn Menschen sind keine Maschinen, die repariert werden, wenn sie kaputt gehen. Welches Leiden wird dadurch verursacht, da√ü Menschen suggeriert wird, das Leben nicht st√§ndig im Flu√ü ist und ebenso st√§ndig geistige Flexibilit√§t erfordert, deren Mangel oft an prominenter Stelle den Ausschlag f√ľr Entscheidungen gegen Vielfalt f√ľr Einfalt sind? Aber Leiden, das dem kapitalistischen System dient, will die Medizin nicht als Leiden erkennen, weil ihr Ziel nicht die Vermeidung von Leiden ist.

Nehmt der WHO den UN-Status. Nehmt der Medizin ihre staatlichen Vorrechte, damit die lebensbejahenden Menschenrechte zu der Geltung kommen können, die ihnen zustehen.