Achtung Achtung!

Die ESH hat nun eine neue eigene Plattform (abrufbar im Menü unter "Enthinderung"). Auf absehbare Zeit wird jene Plattform aktueller gestaltet sein als diese hier.

Diskriminierung im Bildungswesen

Allgemein ist im Bildungswesen, in Kindergarten, Hort, Schule, Ausbildung, Hochschule, Volkshochschule, dem zweiten Bildungsweg und ├Âffentlichen Bibliotheken die strukturelle Diskriminierung von Autisten durch Nichtber├╝cksichtigung ihrer Minderheitenbed├╝rfnisse ebenso wie in anderen Bereichen gesellschaftlichen Lebens an der Tagesordnung. Da Bildung f├╝r Autisten jedoch oft einen besonders hohen Stellenwert besitzt, ist diese Diskriminierung schwerwiegend, besonders in den Bereichen, die noch keine Fern- oder Internetz├╝ge anbieten, diese nur f├╝r manche Studienbereiche bereitstellen oder deren Betreuung schlecht, z.B. unklar strukturiert umsetzen.

Der regelhafte Zwang f├╝r Autisten in ein Schulgeb├Ąude zu gehen, in welchem vieles durcheinander geht und andauernde stark belastende Reize vorhanden sind, kann nicht nur Bildungschancen zerst├Âren, sondern auch die Psyche des Autisten ganz allgemein. Dies wird bis heute nahezu gar nicht ber├╝cksichtigt und wenn dann nur, indem kleine Sonderschulklassen empfohlen werden, in denen das Problem grunds├Ątzlich noch vorhanden ist, wenn auch m├Âglicherweise geringer, doch das ist nicht gesagt, z.B. kann ein einziges Kind mit einer Spastik in derselben Klasse bereits ziemlich belastend auf einen Autisten wirken und in der Regel ist in diesen Einrichtungen niemand, der auch nur ansatzweise an solche Faktoren denkt, geschweige denn an weniger offensichtliche, die ebenfalls gro├če negative Wirkungen entfalten k├Ânnen. Oft jedoch wird dies mit dem Preis erkauft, da├č die Bildungschancen auf der Sonderschule deutlich schlechter sind. Zwar gibt es Sonderschulen auf denen das Abitur erreicht werden kann, dies ist jedoch offenbar aus welchen Gr├╝nden auch immer in der Praxis die Ausnahme.

Es ist zwar grunds├Ątzlich richtig Autisten unter ihre Mitmenschen integrieren zu wollen und Autisten wollen auch in der Regel Kontakte zu anderen Menschen, jedoch sind vielen Autisten aufgrund sehr unterschiedlicher Entwicklungsprofile ihre nichtautistischen Gleichaltrigen eher fremd. Autisten sind als Kind oft im Vergleich bereits erwachsener und besitzen zugleich Faktoren, die heute meist noch als ÔÇ×Entwicklungsr├╝ckstandÔÇť bezeichnet werden. Beides trifft in der Regel gleichzeitig zu, wobei jedoch f├╝r ├ärzte oft nur die vermeintlichen Defizite erw├Ąhnenswert oder Abweichung von der Bev├Âlkerungsnorm generell als Defizit angesehen sind. Faktisch sind diese Vergleiche jedoch ebenso absurd wie Vergleiche zwischen den sprichw├Ârtlichen ├äpfeln und Birnen. Somit d├╝rfte jedoch auch fraglich sein, wie wichtig denn Kontakte zu Gleichaltrigen ├╝berhaupt sind. Autisten verstehen sich aufgrund ihrer oft fr├╝her ausgepr├Ągteren intellektuellen Reife mit wesentlich ├Ąlteren Nichtautisten nicht selten deutlich besser als mit gleichaltrigen Nichtautisten. So kann beabsichtigte Integration durchaus auch abseits der unzumutbaren Bedingungen vor Ort zur zus├Ątzlichen Belastung werden, da m├Âglicherweise kaum Vorteile f├╝r das autistische Kind existieren: Es wird einer enormen, traumatisierenden Schmerzbelastung ausgesetzt. Es wird f├╝r seine Reaktionen auf diese unzumutbaren Rahmenbedingungen oft noch f├╝r dumm oder gest├Ârt erkl├Ąrt, obwohl vermutlich so gut wie jeder Mensch auf derartiges Leid in dieser aufgrund situativ fehlender Empathie der Nichtautisten dumm oder gest├Ârt wirkenden Weise reagieren w├╝rde. Es wird Kindern ausgesetzt, mit denen es m├Âglicherweise weniger anfangen kann als mit Lehrern.

Die heutige Praxis die vorhandenen unzumutbaren Bedingungen durch Schulbegleitungen zu kompensieren sehen wir kritisch, da durch diese Begleitungen sich nichts an den grundlegend schlechten Rahmenbedingungen ├Ąndert und solche Begleitungen leider immer wieder aus einer Art "gesunden Volksempfindens" auch noch zus├Ątzlichen belastenden Druck auf die autistischen Kinder aus├╝ben, z.B. indem sie der festen ├ťberzeugung sind, das Kind m├╝sse sich doch nur mal zusammenrei├čen und dies auch unbelehrbar m├Âglicherweise sogar gegen den informierteren Elternwillen als Strategie verfolgen, da sie die Eltern f├╝r hysterisch halten und nicht ernst nehmen, etc.

Je nach Einzelfall k├Ânnten aus Sicht der ESH Versuche sinnvoll sein, Autisten in mindestens der H├Ąlfte der F├Ącher ├╝ber das Internet zu beschulen und einige F├Ącher dann in einer Regelschule zu unterrichten. Hier sollte immer darauf geachtet werden wie das Kind reagiert und vor allem was es selbst bevorzugt. Interessant k├Ânnte auch das Angebot an den Autisten sein in einem seperaten Raum neben dem laufenden Stundenplan unterrichtet zu werden bei der M├Âglichkeit nach eigenem Ermessen in die regul├Ąre Klasse zu kommen und wieder zu gehen.

Angefangen vom Kindergarten und Hort bis zur Schule werden Autisten mit Diagnose oft r├╝de ausgegrenzt und aus allgemeinen Einrichtungen ausselektiert. Selbst wenn ein Kind ohne Diagnose bereits jahrelang eine Einrichtung besuchte, wird zynisch mit dem Kindesinteresse argumentiert, man k├Ânne pl├Âtzlich nicht mehr angemessen auf das nun diagnostizierte Kind eingehen. So wird ein autistisches Kind, f├╝r das eine gewohnte Umgebung sehr wichtig ist wegen einer Diagnose m├Âglicherweise unangemessener behandelt. Hierbei geht es offenbar auch oft um die Generierung von zus├Ątzlichen staatlichen Mitteln f├╝r die Einrichtungen, die dann wiederum nach Erfahrungen selten f├╝r das autistische Kind selbst verwendet werden, indem nicht einmal kompetentes Personal angestellt oder bestehendes angemessen fortgebildet wird. Allerdings sind autismusspezifische Fortbildungen selbst auch ein Problem, da diese leider oft noch falsche und sch├Ądliche Annahmen vermitteln.