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Autism Speaks: Eugenische Forschung unter dem Deckmäntelchen der autistischen Interessenvertretung

Autism Speaks

2005 wurde von Suzanne und Bob Wright (Direktor des US-TV-Unternehmens NBC), den Grosseltern eines Autisten, eine Stiftung gegr√ľndet, die sich w√§hrend der kurzen Zeit ihres Bestehens zu einer aggressiv auftretenden Geldsammel-Institution entwickelt hatte, die nicht nur in den USA einen enormen Einfluss auf die √Ėffentlichkeit aus√ľbt, sondern auch die Forschungsausrichtung zu Autismus massgeblich beeinflusst. Das Ziel der Stiftung ist es, wie Suzanne Wright in einem Gastbeitrag in der Zeitschrift Parade (http://www.parade.com/articles/editions/2008/edition_01-27-2008/Autism_C... 27.1.2008) schrieb, "ultimately eradicate autism for the sake of future generations" (Autismus zum Wohl zuk√ľnftiger Generationen auszurotten; eigene √úbersetzung).

Die autismusverachtende Einstellung von Autism Speaks tritt auch immer wieder w√§hrend der Veranstalungen der Stiftung zutage. So √§usserte Wright beispielsweise: ""We are walking toward a future of hope, a future of promise, and a future when autism is not a daily struggle for millions of families but a word for the history books. I'm convinced that together we are going to dramatically change the field of autism in education, research, and treatment. We are indeed entering a new decade for autism." (http://www.autismspeaks.org/sponsoredevents/new_decade_for_autism.php; Wir gehen einer Zukunft der Hoffnung, einer Zukunft der Versprechungen entgehen und einer Zukunft, in der Autismus nicht mehr ein t√§glicher Kampf f√ľr millionen von Familien ist, sondern ein Wort f√ľr die Geschichtsb√ľcher. Ich bin √ľberzeugt, dass wir gemeinsam den Autismusbereich in den Sektoren Bildung, Forschung und Behandlung grundlegend ver√§ndern werden. Wir betreten eine neue √Ąra des Autismus; eigene √úbersetzung).

Hauptaktivit√§t von Autism Speaks ist tendenzi√∂se Forschung, die zum Ziel hat, die "Ursachen" von Autismus zu finden und daraus einen pr√§natalen Test zu entwickeln, um Sp√§tabtreibungen zu erm√∂glichen - bei Trisomie 21 entspricht dies bereits heute der √ľblichen Praxis. Hierbei handelt es sich weitestgehend um Forschung, deren Ausrichtung bereits von Anfang an vorgegeben ist. Diese Zielsetzung pr√§gt die Einstellung, mit der die Wissenschaftler an die zu beantwortenden Fragestellungen herangehen. Es wird davon ausgegangen, da√ü das, was oft f√§lschlich und oberfl√§chlich als Autismus wahrgenommen wird, eine feste individuelle Veranlagung sei und der Faktor gravierend mangelnder, oft sogar relativ einfach herzustellender Barrierefreiheit (mangels autistischer Empathie) nicht erkennbar ber√ľcksichtigt. Von einem ethischen Standpunkt aus betrachtet, ist eine solche Forschung, deren angestrebte Resultate gewissermassen von vornherein feststehen, √ľberaus problematisch und vom Gesichtspunkt seri√∂ser Wissenschaft her ohnehin. W√ľrde heutzutage beispielsweise ein Forschungsinstitut verk√ľnden, sie wollten die "Ursachen" f√ľr Homosexualit√§t finden, um selbige ausrotten zu k√∂nnen, w√ľrde dies eine immense Protestwelle ausl√∂sen. Vor einigen Jahrzehnten w√§re ein solches Forschungsunterfangen wohl gesellschaftlich gebilligt worden und zahlreiche Personen h√§tten vermutlich sogar behauptet, dass diese Forschung zum Wohle der Homosexuellen vorangetrieben werden m√ľsse, damit auch diese endlich vollwertige und leistungsf√§hige Mitglieder der Gesellschaft werden k√∂nnten. So abwegig dies in Bezug auf Homosexualit√§t wirken mag, so ist dies doch heutzutage bez√ľglich Autismus Normalit√§t. Eine √§hnliche Entwicklung weg von diskriminierenden kulturellen Vorstellungen, wie sie in Bezug auf Homosexuelle, oder auch Geh√∂rlose in den vergangenen Jahrzehnten vonstatten ging, ist in Bezug auf Autismus zu erwarten.

Tendenzi√∂se Forschung, bei der die Forscher gewissermassen ihre eigene, der Mehrheit entsprechende Sicht der Welt best√§tigen wollen, birgt auch allgemeine Problematiken, wie etwa die Unvereinbarkeit mit dem wissenschaftlichen Objektivit√§tsgebot. So h√§ngt beispielsweise, gem√§ss Standpunkttheorie, wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn von der Position des Forschers innerhalb der herrschenden gesellschaftlichen Ordnung ab. Forscher, die sich mit den gegebenen Machtverh√§ltnissen identifizieren k√∂nnen, haben, wenn √ľberhaupt, im Gegensatz zu Angeh√∂rigen von Minderheiten nur ein geringes Interesse daran, etwas an den herrschenden Umst√§nden ver√§ndern zu wollen. Die Zugeh√∂rigkeit zu einer bestimmten Gruppe bestimmt die Perspektive, mit der an eine Fragestellung herangegangen wird, allerdings ist, soweit die Theorie, der Standpunkt einer untergeordneten Gruppe objektiver als derjenige der herrschenden Gruppe, da die Minderheit aufgrund ihrer Minderheitenposition f√ľr die herrschende Gruppe Verst√§ndnis aufbringen muss und sich dies auch in ihrer Sicht der Welt niederschl√§gt (Harding 2004). In Bezug auf Autismusforschung bedeutet dies, dass es f√ľr ein umfassendes Verst√§ndnis von Autismus n√∂tig w√§re, die Sichtweise der nichtautistischen Mehrheit zu verlassen, sich von der pathologisierenden, auf Defizite fixierten Beschreibung von Autismus zu distanzieren und die Sichtweise der autistischen Minderheit anzunehmen und davon ausgehend eine ausgewogene Beschreibung von Autismus zu versuchen. Autism Speaks n√§hert sich diesem Ideal nicht einmal ann√§hernd, versucht stattdessen Autisten durch Einsch√ľchterungsmassnahmen mundtot zu machen und ber√ľcksichtigt die Meinungen und Erfahrungen von Autisten nicht einmal ansatzweise in der Erkenntnisgewinnung. Autism Speaks schafft es nicht ann√§hernd, die Herkunft des Gr√ľnders aus dem Bereich des Privatfernsehens und dessen Gebarens zu √ľberwinden.

Autism Speaks wurde 2008 von den Vereinten Nationen als Nichtregierungsorganisation anerkannt. Gem√§ss zugeh√∂riger Pressemitteilung von Autism Speaks, erm√∂gliche diese Anerkennung der Stiftung ein breiteres Publikum und somit verbesserte M√∂glichkeiten, "to promote the dignity, equal rights, social progress and better standards of life for individuals with autism." (die W√ľrde, Gleichberechtigung, sozialen Fortschritt und bessere Standards f√ľr das Leben von Individuen mit Autismus zu f√∂rdern; Pressemitteilung von Autism Speaks http://www.autismspeaks.org/press/united_nations_ngo_dpi.php 18.12.2008; eigene √úbersetzung). Tats√§chlich tritt Autism Speaks die Interessen von Autisten regelrecht mit F√ľssen, so wie die Anerkennung der Stiftung dem Geist der UN Konvention √ľber die Rechte behinderter Menschen widerspricht. Auch eine Zusammenarbeit von Autism Speaks und der Europ√§ischen Union findet statt (http://ec.europa.eu/health/ph_information/dissemination/diseases/autisti...).

Zahlreiche Behindertenorganisationen haben sich mittlerweile √∂ffentlich von der Organisation Autism Speaks distanziert. Diese Organisationen sind der Meinung, dass Autism Speaks die Interessen von Autisten in keiner Weise vertritt, sondern vielmehr auf aggressive Weise die √ľblichen Vorurteile, die in Bezug auf Autismus im Umlauf sind, verfestige, Falschinformationen verbreite - so wurde beispielsweise in Studien belegt, dass in Familien mit autistischen Kindern Scheidungen nicht wahrscheinlicher sind, als in Familien ohne solche Kinder; Autism Speaks behauptet das Gegenteil - sowie die Position behinderter Menschen nachhaltig sch√§dige. Durch das Auftreten von Autism Speaks w√ľrden Klischees und Vorurteile √ľber Autisten verfestigt und dies w√ľrde die gesellschaftliche Ausgrenzung autistischer Personen massiv verst√§rken (offener Brief an die Spender von Autism Speaks http://www.autisticadvocacy.org/modules/smartsection/item.php?itemid=60 7.1.2009 ).

Forschung

2008 wurden 65% der finanziellen Mittel der Stiftung in, wie oben erwähnt, tendenziöse Forschung investiert (Jahresbericht 2008 http://www.autismspeaks.org/docs/Autism_Speaks_Annual_Report_2008.pdf). Das Forschungsprogramm von Autism Speaks besitzt vier Schwerpunkte: (1) die Suche nach den "Ursachen", (2) die Erforschung der Autismus zugrundeliegenden "biologischen Mechanismen", (3) eine weitere Ausdifferenzierung der Diagnosemöglichkeiten, damit weniger Autisten undiagnostiziert bleiben sowie (4) die Suche nach möglichst effektiven "Behandlungsmöglichkeiten". Bei dieser Ausrichtung bleibt, soweit zu erkennen, völlig unbeachtet, welche Rolle das Umfeld bei der Ausprägung "autistischer Symptome" hat, die oft allgemeinmenschliche Überlastungsreaktionen sind.

Der Bereich der einseitig verzerrten "Ursachenforschung" ist ganz im Sinne der oben umrissenen Zielsetzung die Hauptaktivit√§t von Autism Speaks. Hauptschwerpunkt des Bereichs ist Genforschung, die durch eine Beteiligung am Autism Genome Project (AGP), das eine Partnerschaft unterschiedlicher Forschungsinstitute darstellt, abgedeckt wird. Gr√∂sstenteils handelt es sich hierbei um Forschung, die zum Ziel hat, die "Ursache" von Autismus zu finden und daraus einen pr√§natalen Test zu entwickeln (ASAN Central Ohio http://asancentralohio.blogspot.com/2009/08/why-autism-speaks-does-not-s... 16.8.2009; neuere Fassung: http://asansouthwestohio.blogspot.com/2009/10/why-autism-speaks-does-not... ), der zur Folge h√§tte, dass bei Autisten Sp√§tabtreibungen m√∂glich w√ľrden, wie dies bereits massenhaft bei Kindern mit Trisomie 21 √ľblich ist. So √§usserte 2005 Dr. Simon Buxbaum, der damalige Leiter der Mount Sinai School of Medicine, die eng mit dem von Autism Speaks mitbegr√ľndeten AGP zusammenarbeitet, es sei nur eine Frage der Zeit, bis endlich die wichtigsten f√ľr Autismus verantwortlichen Gene identifiziert w√§ren, was dann die M√∂glichkeit eines pr√§natalen Tests f√ľr Autismus zur Folge h√§tte. Buxbaum sch√§tzte die Zeitspanne, die n√∂tig w√§re, um einen solchen Test zu entwickeln auf zehn Jahre (MSNBC http://www.msnbc.msn.com/id/7013251 23.2.2005). Die Forschung in diese Richtung wird intensiv vorangetrieben. Anfangs des Jahres 2009 ver√∂ffentlichte Professor Baron-Cohen, Leiter eines Forschungsprojektes der Universit√§t von Cambridge, das sich mit den Mengen fetalen Testosterons im Fruchtwasser besch√§ftigt, im British Journal of Psychology eine Studie, derzufolge die Menge fetalen Testosterons dar√ľber Aufschluss geben k√∂nne, ob das Kind autistisch sei (BJP 2009; 100: 1-22). Gem√§ss Baron-Cohen, dessen Forschungsinstitut sowohl von Autism Speaks, als auch vom Medical Research Council, das gemeinsam mit Autism Speaks, das AGP finanziert, finanziell unterst√ľtzt wird, sei nun ein pr√§nataler Test f√ľr Autismus in Reichweite, wobei dieser ethische Fragen aufwerfe, da Autisten in Teilbereichen zu H√∂chstleistungen f√§hig w√§ren (Medical News http://www.news-medical.net/news/2009/01/12/44865.aspx 12.1.2009). Diese √Ąusserung impliziert, dass der Wert eines Menschen anhand seiner Leistungsf√§higkeit bestimmt werden kann und weniger leistungsf√§hige Menschen auch weniger wert seien, was veranschaulicht, was in diesen Kreisen mittlerweile unter Ethik verstanden wird. Derart euthanasieartige Vorg√§nge zu rechtfertigen zeugt von einer Reduzierung des Menschen auf seine √∂konomische Leistung und l√§sst eine grundlegend lebensverachtende Einstellung vermuten.

Insbesondere diese Forschungsprojekte stehen in starker Kritik von Anh√§ngern der Autistic Pride Bewegung und von Abtreibungsgegnern. Es wird bef√ľrchtet, dass es, sobald ein solcher Test verf√ľgbar sein wird, zu routinem√§ssigen Abtreibungen kommt. Die werdenden M√ľtter h√§tten ohne erhebliche Eingenrecherche faktisch keine angemessene M√∂glichkeit, zu entscheiden, ob sie das autistische Kind behalten oder abtreiben wollen, da die Informationen √ľber Autismus, die den werdenden Eltern von den √Ąrzten zur Verf√ľgung gestellt w√ľrden, aller Wahrscheinlichkeit nach stark negativ verzerrt w√§ren und es den werdenden Eltern kaum erm√∂glichen w√ľrde, sich ein angemessenes, realistisches Bild √ľber Autismus zu machen. Die werdenden Eltern w√ľrden in diesem Fall regelrecht zur Abtreibung gedr√§ngt. Wie sich bereits bei der pr√§natalen Diagnostik zu Trisomie 21 zeigte, nutzen werdende Eltern dieses Wissen lediglich in den seltensten F√§llen, um sich auf das Kind angemessen vorzubereiten oder sich differenziert zu informieren, sondern w√§hlen in 90% der F√§lle die M√∂glichkeit der Abtreibung. Im Falle des Autismus ist auch aufgrund verbreiteter Klischeevorstellungen zu Autismus von einer √§hnlichen Entwicklung auszugehen. Ausserdem wird kritisiert, dass Steuergelder in eugenische Forschung investiert werden (ASAN http://www.autisticadvocacy.org/modules/smartsection/item.php?itemid=25 13.3.2008). Eine Hochrechnung der privaten Website Ventura 33 ergab, dass es - unter der Annahme, dass es viel mehr Menschen gibt, die autistisches Erbgut haben - durchaus denkbar w√§re, dass nicht nur Feten abgetrieben w√ľrden, die sp√§ter tats√§chlich auch eine Autismusdiagnose bek√§men, sondern weitaus mehr Personen - unter Umst√§nden mehr als 100 Millionen. Dies entspricht mehr als einem Drittel der gesamten US-Bev√∂lkerung und w√§re, sofern es tats√§chlich zu routinem√§ssigen Abtreibungen kommen sollte, die gr√∂sste eugenische T√∂tungsaktion der Geschichte (Autistic Genocide Clock http://www.ventura33.com/clock/ ). Ferner unterst√ľtzt Autism Speaks Forschungsprojekte, die sich mit der Fragestellung besch√§ftigen, inwiefern Autismus durch Umwelteinfl√ľsse, wie beispielsweise durch Umweltgifte, verursacht werden kann. Allerdings werden auch hierbei ver√§nderbare Einfl√ľsse der Umgebung ausgeblendet und daraus resultierende √úberlastungreaktionen f√§lschlicherweise Autismus zugeschrieben. Einen weiteren Schwerpunkt im Bereich der "Ursachenforschung" bildet ein "Autism Epidemology Network", das gemeinsam von Autism Speaks und den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), das ein internationales Netzwerk dastellt, in dem Informationen zur Epidemologie von Autismus gesammelt werden. In den 90er Jahren begannen sich die Autismusdiagnosen zu h√§ufen und zeitgleich wurden auch zunehmend mehr Kinder mit der MMR-Impfung geimpft. Es entbrannte eine lang anhaltende Debatte dar√ľber, inwiefern Autismus durch m√∂gliche Impfsch√§den verursacht sei (About.com:Autism http://autism.about.com/od/causesofautism/a/MMRVaccine.htm 1.6.2009). Mittlerweile gilt diese These als widerlegt, hat aber noch immer ihre Anh√§nger. Die Position von Autism Speaks ist eindeutig: Die MMR-Impfung sei eine gute Sache und nicht f√ľr Autismus verantwortlich. Indes wird auch anhand dieser Impfdebatte erkenntlich, wie Autism Speaks mit Andersdenkenden umgeht. Katie, die Tochter von Susan und Bob Wright und die Mutter des Autisten, ist n√§mlich, entgegen der Meinung von Autism Speaks, davon √ľberzeugt, dass der Autismus ihres Sohnes durch einen Impfschaden zustande kam. Diese Meinung vertritt sie auch √∂ffentlich und bekommt wohl auch durch ihre N√§he zu Autism Speaks mediale Aufmerksamkeit. Dies f√ľhrte zu einem famili√§ren Zerw√ľrfnis und die Wrights distanzierten sich √∂ffentlich von Katies Meinung. Zahlreiche Eltern bef√ľrchten, dass Autism Speaks sich zu sehr auf die m√∂glichen genetischen "Ursachen" von Autismus fixiert und andere M√∂glichkeiten nicht beachtet. Die Wrights gehen nicht auf diese Bef√ľrchtungen ein (New York Times http://www.nytimes.com/2007/06/18/us/18autism.html 18.6.2007). Indes hat diese Debatte auch Auswirkungen auf Autism Speaks. So bef√ľrchten einige Anh√§nger der Stiftung - aufgrund von Forschungsprojekten, die sich mit Umwelteinfl√ľssen auf die Entstehung von Autismus besch√§ftigen -, dass Katie die Ausrichtung von Autism Speaks massgeblich pr√§gen k√∂nnte. Es kam bereits zu mehreren Austritten von Vorstandsmitgliedern (post-gazette.com http://www.post-gazette.com/pg/09228/991232-114.stm 16.8.2009). Die Gerichte, die sich mit Klagen von Eltern gegen Pharmakonzerne aufgrund von angeblich durch Impfsch√§den verursachten Autismus befassen, teilen die Ansicht von Autism Speaks, dass es keinen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus gibt. Staatliche Gesundheitsexperten sind in den USA ebenfalls dieser Ansicht (healthfinder.gov http://www.healthfinder.gov/news/newsstory.aspx?docID=624083 12.2.2009).

Der zweite Forschungsschwerpunkt, n√§mlich die Autismus zugrundeliegenden biologischen Mechanismen, beinhaltet Forschungsprojekte in den Bereichen Neurowissenschaft, Physiologie sowie Molekularbiologie. Als eines der Hauptprojekte in diesem Bereich ist eine Brain Development Initiative zu erw√§hnen, die zum Ziel hat, herauszufinden, weswegen sich die Hirnstrukturen von Autisten mitunter erheblich von denjenigen nichtautistischer Menschen unterscheiden w√ľrden.

Dritter Forschungsschwerpunkt ist die Suche nach neuen Diagnosemethoden, mit denen effizientere und fr√ľhere Diagnosen gestellt werden k√∂nnen, als es heute der Fall ist. Dieser Schwerpunkt wird weitgehend durch das High Risk Baby Siblings Research Consortium, ein Konsortium, das von Autism Speaks und dem nationalen Gesundheitsministerium betrieben wird, abgedeckt. Ziel ist es, namhafte Forscher im Bereich Autismusforschung zu vereinen und dadurch m√∂glichst effektive Diagnosemethoden zu entwickeln. Hier spielen Erkenntnisse aus den ersten beiden Forschungsschwerpunkten eine entscheidende Rolle. Solche verbesserten Diagnosem√∂glichkeiten h√§tten vor allem zur Folge, dass noch fr√ľher mit m√∂glichen, sch√§dlichen Therapien angefangen w√ľrde und die Kinder noch st√§rkerem Anpassungsdruck ausgesetzt w√§ren.

Den vierten Schwerpunkt bildet die Entwicklung neuer Therapiemethoden und Weiterentwicklung bestehender Therapien, damit die autistischen Kinder m√∂glichst effektiv zu nichtautistischen Kindern umerzogen werden k√∂nnten. Die Sch√§den, die durch die Umerziehung von Links- zu Rechtsh√§ndern verursacht werden, gelten mittlerweile als anerkannt, f√ľr Autismus steht ein solcher Nachweis, vermutlich vor allem aufgrund der einseitigen Forschungsausrichtung zu Autismus, noch aus.

√Ėffentlichkeitsarbeit

Ein weiterer Bereich der Aktivit√§t von Autism Speaks beinhaltet die √Ėffentlichkeitsarbeit, f√ľr die insgesamt 31% der finanziellen Mittel verwendet werden, wobei 3% davon speziell f√ľr die Beziehung zur Regierung reserviert sind. Dabei ist anzumerken, dass dies gleichzeitig das - oft mit kitschigen, klischeehaften Spendenaufrufen agierende - Finanzierungsmodell von Autism Speaks darstellt. Bei diesem Bereich handelt es sich keineswegs um √Ėffentlichkeitsarbeit im Interesse autistischer Menschen, geschweige denn sachlich ernstzunehmende Aufkl√§rung, sondern weitestgehend um die Etablierung eines einflussreichen Netzwerkes, das Autism Speaks erm√∂glicht eigene Interessen m√∂glichst ungehindert durchsetzen zu k√∂nnen. Autisten kommen in diesen √∂ffentlichen Darstellungen nicht zu Wort und werden h√§ufig gewissermassen als von Autismus besessen dargestellt. Es wird von Autism Speaks davon ausgegangen, dass Autismus von der eigentlichen Pers√∂nlichkeit eines Menschen getrennt werden k√∂nne und der unter Autismus versch√ľttete Mensch befreit werden m√ľsse. Das Selbstbestimmungsrecht behinderter Menschen wird von Autism Speaks weitestgehend ignoriert und Autisten, die sich √∂ffentlich kritisch √§ussern, m√ľssen damit rechnen, verklagt zu werden. Auch besch√§ftigt Autism Speaks nicht einmal symbolisch Autisten in f√ľhrenden Positionen. Diese Problematik wurde von Autism Speaks zwar eingestanden und es wurde versprochen, etwas diesbez√ľglich zu √§ndern, allerdings blieb es bislang bei diesen Versprechungen. Diese Verweigerung der M√∂glichkeit zur Teilhabe an den relevanten Entscheidungsprozessen verstosse gem√§ss ASAN gegen den Geist der Menschenrechte (ASAN http://www.autisticadvocacy.org/modules/smartsection/item.php?itemid=25 13.3.2008).

In den wenigen Jahren ihres Bestehens gelang es Autism Speaks immensen Druck auf Regierungen und internationale Organisationen aufzubauen. So wurde beispielsweise 2008 von Autism Speaks eine Website namens ‚ÄěAutismVotes.org‚Äú eingerichtet, die aufzeigt, welchen Stand welche Vorlagen im Parlament besitzen und auch eine Plattform bietet, effektive Lobby-Arbeit zu betreiben. Bereits vor den letzten Pr√§sidentschaftswahlen lancierte Autism Speaks eine Kampagne, mit der die Pr√§sidentschaftskandidaten bereits vor ihrer m√∂glichen Wahl, √ľber effektive Unterst√ľtzungsm√∂glichkeiten der Organisation informiert wurden. Auch der amtierende Pr√§sident der USA, Barack Obama, konnte f√ľr die Ziele von Autism Speaks gewonnen werden. Obama versprach in einer Rede vom 30. September 2009 den bislang gr√∂ssten Betrag, den die amerikanische Regierung in Autismusforschung, die massgeblich von Autism Speaks wie erw√§hnt tendenzi√∂s gepr√§gt wird, zu investieren - gem√§ss Angaben von Autism Speaks bel√§uft sich dieser auf f√ľnf Milliarden Dollar. Indes ist anzumerken, dass die amerikanische Regierung mittlerweile offenbar auch den Dialog mit Vertretern der Autistic Pride Bewegung sucht. So nominierte Obama am 16.12.2009 (Pressemitteilung des Weissen Hauses http://www.whitehouse.gov/the-press-office/president-obama-announces-mor...) Ari Ne‚Äėeman, den Vorsitzenden des Autistic Self Advocacy Network (ASAN) in den National Council on Disability (NCD). Der 1978 innerhalb des amerikanischen Bildungsministeriums gegr√ľndete NCD umfasst 15 Mitglieder, die eine Beratungsfunktion inne haben und Strategien erarbeiten sollen, die es behinderten Menschen erm√∂glichen, ein gleichberechtigtes Leben zu f√ľhren.

Die √Ėffentlichkeitsarbeit von Autism Speaks zeichnet sich insbesondere durch reisserische Kampagnen aus, die keineswegs echte Aufkl√§rung darstellen, sondern eine √ľberaus verzerrende, klischeehafte Darstellung von Autismus bieten, die mit Autismus an sich im Grunde kaum etwas zu tun hat und vielmehr der Generierung von Spendengeldern dient. In der Vergangenheit wurden gegen Anh√§nger der Autistic Pride Bewegung, die sich gegen eine solche √∂ffentliche Darstellung wehrten, immer wieder Einsch√ľchterungsmassnahmen unternommen, obwohl dieser Widerstand klar in den Bereich der Meinungsfreiheit f√§llt und somit legal ist. So wurde beispielsweise einer 14-j√§hrigen Autistin, die eine Parodiewebsite namens NT-Speaks betrieb, mit Geldforderungen, die sich auf $90‚Äė000 belaufen, gedroht, sofern sie nicht bereit sei, die Website offline zu nehmen, den Quellcode zu zerst√∂ren und die Domain Autism Speaks zu √ľberschreiben (About.com:Autism http://autism.about.com/b/2008/01/22/when-is-a-humorous-site-not-so-funn... 22.1.2008). Auch ein autistischer Blogger, der T-Shirts mit der Aufschrift ‚ÄěAutism Speaks can go away. I have autism. I can speak for myself‚Äú (Autism Speaks kann verschwinden. Ich habe Autismus. Ich kann f√ľr mich selbst sprechen.; eigene √úbersetzung) verkaufte, wurde von der Firma, bei der er die T-Shirts vertrieb, benachrichtigt, dass Autism Speaks auf sie zugekommen sei und es aufgrund m√∂glicher rechtlicher Konsequenzen am Besten sei, wenn er die T-Shirts aus seinem Online-Shop nehmen w√ľrde. Auf Nachfragen behauptet die Firma mittlerweile, Autism Speaks h√§tte ein anderes T-Shirt bem√§ngelt, allerdings wurde nicht bekannt gegeben, um welches es sich handle und Autism Speaks behauptet, die Firma niemals kontaktiert zu haben (WrongPlanet http://www.wrongplanet.net/article371.html ). Indes k√∂nnen Anh√§nger der Autistic Pride Bewegung diesbez√ľglich auch Erfolge verbuchen. Nach erheblichen Protesten wurde beispielsweise das Video ‚ÄěI am Autism‚Äú (Link zum Video: http://www.youtube.com/watch?v=HDdcDlQVYtM), in dem eine Stimme, die wohl den Autismus verk√∂rpern sollte, davon sprach, wie b√∂se Autismus sei und, dass Autismus das autistische Kind gewissermassen entf√ľhrt habe sowie die negativen Auswirkungen, die Autismus auf das Umfeld des autistischen Kindes aus√ľbe, erw√§hnte, von der Website von Autism Speaks entfernt und der Inhalt des Videos als pers√∂nlicher Ausdruck der Macher des Films, die beide ein autistisches Kind zu Hause h√§tten, bezeichnet (Time http://www.time.com/time/health/article/0,8599,1935959,00.html 6.11.2009).

Aktivitäten angeblich zugunsten von Familien mit autistischen Kindern

4% der Gesamtsumme werden f√ľr Familien mit autistischen Kindern investiert, wobei es sich hierbei, soweit erkennbar ist, faktisch um Aktivit√§ten handelt, die den autistischen Kindern keinen Nutzen bringen und f√ľr sie wom√∂glich sogar sch√§dlich sind. Inwiefern diese Aktivit√§t von der √Ėffentlichkeitsarbeit zu trennen ist, ist fraglich. Die Vermutung, dass es sich hierbei um einen T√§tigkeitsbereich handelt, der weitgehend eine Fassadenaktivit√§t zur Generierung neuer Spendengelder und der Vermittlung eines Wohlt√§tigkeitsimages darstellt, scheint naheliegend. Die Schwerpunkte in diesem Bereich waren 2008 ein "100 day kit" als Ratgeber f√ľr Eltern f√ľr die ersten 100 Tage nach der Diagnose sowie einen ebensolchen Ratgeber f√ľr die Schule, finanzielle Mittel f√ľr Therapieeinrichtungen, Datenbanken in denen sich Eltern √ľber Therapeuten u.√§. in ihrer N√§he informieren k√∂nnen, finanzielle Unterst√ľtzung f√ľr in Not geratene Familien, eine Beratungshotline und ein Beratungsprogramm f√ľr Eltern mit inzwischen erwachsenen autistischen Kindern. Anfang des Jahres 2009 k√ľrzte Autism Speaks die Gelder dieses Bereichs um 15%. Gem√§ss der Stiftung sei dieser Schritt aufgrund der Wirtschaftskrise erforderlich gewesen (examiner.com http://www.examiner.com/x-21742-Long-Island-Autism-Examiner~y2009m12d2-A... 2.12.2008). Hierbei handelt es sich sowohl um den deutlich kleinsten, als auch den einzigen Sektor, der tats√§chlich f√ľr Familien mit autistischen Kindern und Autisten investiert wird. Aufgrund dieser K√ľrzung liegt die Annahme nahe, dass es Autism Speaks, wenn √ľberhaupt, nur zweitrangig darum geht, Autisten tats√§chlich zu unterst√ľtzen.