Achtung Achtung!

Die ESH hat nun eine neue eigene Plattform (abrufbar im Menü unter "Enthinderung"). Auf absehbare Zeit wird jene Plattform aktueller gestaltet sein als diese hier.

H├╝rde Nr.1: Verweigerte barrierefreie Kommunikation

In einer Zeit, in der selbst Unternehmen ihren Firmenkunden ungerne wichtige Vereinbarungen zur praktischen Umsetzung der vertraglichen Zusammenarbeit schriftlich aush├Ąndigen (es k├Ânnte ja anderen Kunden zugespielt werden, bei denen intern etwas anders gehandhabt wird) und auch in manchen Beh├Ârden gerne m├Âglichst viel m├╝ndlich besprochen wird, um nicht gleich jede Aussage gerichtsfest abw├Ągen zu m├╝ssen und weil man es eben so gewohnt ist, haben es Menschen nicht immer leicht selbstst├Ąndig im Alltag zu bestehen, die nur schriftlich kommunizieren k├Ânnen.

Autisten nehmen die Welt anders wahr, wir sortieren das, was unsere Sinne empfangen weniger unbewu├čt vor, als der Rest der Menschheit. Das bedeutet Talent zu gr├Â├čerer Pr├Ązision, weniger Determinertheit durch unterschwellige (z.B. "soziale") Weltdeutungsautomatismen, aber auch mehr Information, die zu bew├Ąltigen ist.

Gerade unbekannte Umgebungen und unberechenbare Situationen sind hohe Beanspruchungen. Daher sprechen manche Autisten gar nicht, andere k├Ânnen theoretisch sprechen, sind aber praktisch damit in bestimmten Situationen ├╝berfordert.

Es ist ern├╝chternd. Theoretisch ist man ein B├╝rger mit gleichen Rechten, praktisch wird auf schriftliche Anfragen, insbesondere Emails oft gar nicht oder nicht inhaltlich sinnvoll geantwortet. Auch in der praktischen Aktivit├Ąt der ESH wird Mitarbeitern immer wieder sehr deutlich, wie gro├č doch der Anteil an Ausgrenzung ist, der durch diese Verweigerungen vorgenommen wird. Multiplizierte Diskriminierung mit heimt├╝ckischer Wirkung: Schreiben, die zum Zweck haben die Lebenssituation von Autisten systematisch zu verbessern sto├čen ins Leere - weil barrierefreier Zugang zu Kommunikation nicht gew├Ąhrleistet ist. Das hat schon etwas Absurdes.

Scheinbar harmlos hat dies massive und schwerste Folgen f├╝r Autisten als Bev├Âlkerungsgruppe, die wohl nur wenige erfassen, die die komplexen Wechselspiele zwischen Diskriminierung und Einstufung als lebensunt├╝chtig mit Folgen bis hin zu Entm├╝ndigungen in ihrer Tragweite mehr oder weniger durchschauen.

Was tun? Jemanden suchen, der dann doch stellvertretend anruft? An sich ist das nicht hinnehmbar und die Erfahrungen sind auch abgesehen von der zweifellos vorliegenden Diskriminierung aufgrund der Verweigerung von direktem Kontakt schlecht. Das Anliegen wird von der Telefonperson nicht richtig verstanden, nicht vollst├Ąndig mitgeteilt, ├╝bermittelte Antworten werden von der kontaktierten Stelle widerrufen, freiwillige Helfer sind pl├Âtzlich nicht mehr auffindbar oder haben mitten in einem Vorgang aus hin - und - her keine Lust mehr.

Eigentlich k├Ânnte man einfach kommunizieren, es liegt schlie├člich keine Situation vor wie bei Geh├Ârlosen, deren Sprachen spezielle Kenntnisse erfordern. Ein frustrierendes Gef├╝hl. Wir wollen einfach nur fernschriftlich kommunizieren und nicht wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden!